Sonntag, 16. März
Die Menschen hier bringen uns in Verlegenheit. Wenn sie uns doch hassen würden, dann wäre es leichter, ihnen zu begegnen. Aber nein. Sie sind freundlich, aber nicht unterwürfig; stolz, aber nicht arrogant. Wir fühlen uns wie Barbaren gegenüber ihrer Zivilisation, die in Mesopotamien vor 6000 Jahren entstanden ist. Wer die Bomben abwerfen wird, muss diesen Menschen nicht in die Augen schauen.

Nun, da der Krieg unabwendbar erscheint, ist Panik spürbar, vor allem unter den Kindern. „Vater, sag mir, dass der Krieg nicht kommen wird“, bittet Zeineb, ein sechsjähriges Mädchen. Die Kinder sind die Schwächsten, die Verwundbarsten. „Inschallah“, lautet die Antwort des Vaters Emad an seine Tochter. „Dann werde ich mich unter dem Teppich verstecken“, antwortete Zeineb.

Montag, 24. März
Bagdad ist in einem Ring aus Feuer und Rauch gefangen. Rund um die Stadt hat man Schützengräben ausgehoben und mit Öl angefüllt. Sie werden jetzt nach und nach angezündet. Es ist ein Paradox. Diese mittelalterliche Waffe wird gegen einen Angreifer eingesetzt, der den Krieg führt, weil der Angegriffene angeblich über Massenvernichtungsmittel verfügt.

Mittwoch, 26. März
Ein von Schiiten bewohntes Viertel im Norden der Stadt ist bombardiert worden. Nachdem wir die schwarze Rauchwand durchquert haben, präsentiert sich uns ein entsetzliches Bild: Zwei Bombenkrater am Rand der Straße, der Asphalt ist auf Hunderten Metern umgepflügt, Trümmer von Marktständen, verkohlte Autos. Und dann die halb zerstörten Gebäude. Die Anwohner gehen benommen über das Trümmerfeld. Man sieht nur Männer. Es herrscht Stille. Eine Stille, die lauter ist als jeder Schrei. Alle Opfer sind weggebracht worden. Nur Blutlachen blieben zurück. Die erste Bilanz: 15 Tote. Alles Zivilisten.

Donnerstag, 27. März
Das durchdringende Zischen der Jagdbomber und das Krachen der Raketen gehen direkt ins Hirn, brechen den Verstand auf und nützen die Psyche ab. Die Bombardements sollen die militärische Widerstandskraft schwächen. Sie sollen aber auch die Bevölkerung terrorisieren. Der psychologische Effekt ist garantiert, vor allem bei den Schwächsten, den Kindern. Unter den älteren Menschen nehmen Herzinfarkte zu.

Dienstag, 1. April
Hilla ist der alte Name von Babylon, der Hauptstadt des Reiches von Hammurabi und Nebukadnezar. Die Stadt liegt rund 60 Kilometer südlich von Bagdad. Je weiter wir kommen, desto mehr spüren wir die Nähe des Krieges. Die Schützengräben sind nicht mehr mit brennendem Öl gefüllt, sondern mit Männern und Waffen.