argument Leistung, die Leiden schafftSeite 2/2

Und während die Bürger immer mehr Verantwortung übernehmen sollen, kommen die Unternehmen ihrer Verantwortung nicht mehr nach. Das fängt im Kleinen an: Zur gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen gehört es, die Vorstandsgehälter individuell offen zu legen – gerade in einer Zeit, in der sich die finanziell schwächsten Bürger vom Staat fragen lassen müssen, ob sie verdienen, was sie bekommen. Zur Verantwortung der Unternehmen gehört auch, sich dafür einzusetzen, dass Manager privat haften müssen, wenn sie die Öffentlichkeit mit bewussten Fehlinformationen täuschen – heute wird jeder Schwarzfahrer in der U-Bahn schärfer von der Justiz verfolgt.

Und im Großen? Ein Unternehmen nach dem anderen wird in den kommenden Wochen neue Rekordzahlen präsentieren. Die Geschäfte liefen 2004 für viele Firmen so gut wie lange nicht, und auch für das laufende Jahr rechnen die Experten mit steigenden Gewinnen. Doch meist werden sie im Ausland erwirtschaftet. Für den heimischen Markt fehlt vielen Unternehmen eine Wachstumsstrategie. Stattdessen wird gekürzt, gestrichen, rationalisiert. Es herrscht das Diktat der Kostenrechner. Als ob es nur darauf ankomme, möglichst billig zu sein. Als ob es nicht auch darum gehe, durch Qualität und Innovationen neue Nachfrage zu schaffen. Insofern unterscheiden sich die Manager nicht von den Politikern, die schlicht darauf vertrauen, dass Deutschlands Exportindustrie es schon richten wird. Wie man aber mit der durchs Sparen geschwächten Binnennachfrage umgeht, darauf fehlt ihnen die Antwort.

So hat die Reaktion im Fall Deutsche Bank in vielen Fällen auch etwas Verlogenes: Warum kümmern sich Minister und andere Mächtige nicht darum, das Konjunkturklima zu verbessern, statt öffentlichkeitswirksam zu beklagen, dass ein Großkonzern Stellen streicht? Jeden Tag gehen hierzulande Hunderte Arbeitsplätze verloren – unbemerkt von der meist auf schnelle Statements fixierten Politik.

»Leistung aus Leidenschaft« lautet der Werbespruch der Deutschen Bank. Vielleicht sollten die Marketingstrategen noch einmal in sich gehen. Derzeit zeigt die Bank nur eine Leistung, die Leiden schafft.

 
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