libanon Die Ermordung eines Politikers setzt Syrien unter Druck
Die 300-Kilo-Bombe, die den früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri in Beirut tötete, ruft alte Geister wach und wirft neue Fragen auf
Niemand hat den Bürgerkrieg vergessen, der Libanon fünfzehn Jahre lang erschütterte. Erst die von Hariri finanzierte Friedenskonferenz von Taif bahnte 1989 den Weg zur Stabilität – mit syrischer Hilfe. Es war eine Art Pakt mit dem Teufel: Damaskus bot sich an, das kleine verwüstete Land zu beruhigen, Libanon musste im Gegenzug seine Seele verkaufen – die eigene Souveränität. Die bis heute andauernde syrische Militärpräsenz lässt keinen Zweifel daran, wer die wahren Herrscher in Beirut sind.
In der jüngsten Zeit ist jedoch das nationale Selbstbewusstsein wieder gewachsen – ebenso wie der Widerstand gegen die syrische Besatzung. Der Milliardär Hariri verkörperte nicht nur den Wiederaufbau Beiruts, er hatte sich erst kürzlich der Opposition angeschlossen, die den Abzug der syrischen Truppen lautstark fordert. Er war im Herbst zurückgetreten, nachdem er sich mit dem pro-syrischen Präsidenten Emil Lahud überworfen hatte. Im kommenden Mai sollen Wahlen stattfinden. Hariri plante sein Comeback.
Hat sich Damaskus an ihm gerächt? Wollte es den Libanon erschüttern, um die Anwesenheit seiner Truppen erneut zu rechtfertigen? Möglich, aber nicht sicher. Hariri mit seinen guten Verbindungen zu Saudi-Arabien hatte viele Feinde. Syrien stehe nicht hinter dem Anschlag beteuert Präsident Assad. Doch setzt das Attentat die Regierung in Damaskus unter doppelten Druck: Die Rolle Syriens im Libanon erfreut sich wieder internationaler Aufmerksamkeit; zugleich wächst die Ungeduld der USA gegenüber Damaskus, das mehreren Terrorgruppen Unterstützung oder zumindest Unterschlupf gewährt.
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- Quelle (c) ZEIT.de, 15.02.2005
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