interview Von null auf hundert
Warum die Vernunftehe besser ist als eine Liebesheirat, erklärt Robert Epstein, Psychologe bei der amerikanischen Zeitschrift »Psychology Today«
DIE ZEIT: Herr Epstein, auf die romantische Liebe geben Sie nichts. Warum?
Robert Epstein: Weil wir dabei die Lust mit der Liebe verwechseln. Wir sehen im Kino, dass sich zwei schöne Menschen treffen, sie werden von ihren Gefühlen überwältigt, haben wilden Sex, und in der nächsten Szene heiraten sie. Das ist naiv, und dennoch suchen wir alle danach. Und daher halten unsere Ehen nicht, denn nur auf Lust lässt sich keine Beziehung bauen. Dabei könnten wir unsere Erfolgsquote massiv vergrößern, wenn wir das Zufällige in der Liebe verringern. Wir müssen nur wieder Kontrolle über unser Liebesleben gewinnen.
ZEIT: Um das zu beweisen, haben Sie das Love Project initiiert. Sie sind mit einer fremden Person eine Beziehung eingegangen, um zu zeigen, dass man die Liebe lernen kann.
Epstein: Am Valentinstag 2003 habe ich einen Liebesvertrag mit einer Frau unterzeichnet. Darin haben wir uns versichert, dass wir uns mit niemand anderem einlassen würden und dass wir zu einer begleitenden Paarberatung gehen würden. Einer Beratung, die nicht versucht, etwas Kaputtes zu reparieren, sondern die eine Art Liebes- und Kommunikationstraining ist. Und es hat funktioniert. Wir haben Gefühle füreinander entwickelt. Leider wohnte sie in Venezuela, was große logistische und finanzielle Probleme mit sich brachte. Außerdem wurde das Projekt von CNN begleitet, was auch nicht gut für die Beziehung war. Vor einem Jahr habe ich einen neuen Vertrag mit einer anderen Frau abgeschlossen, wir sind mittlerweile verlobt und werden bald heiraten.
ZEIT: Gratuliere. Geht das mit jedem?
Epstein: Es muss schon eine gewisse körperliche Anziehung geben…
ZEIT: …gibt es da nicht wieder das Problem mit der Lust?…
- Datum 10.02.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 10.02.2005 Nr.7
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