Aufstieg in den UntergangSeite 3/3

»Vater war ein Widerstandskämpfer«, sagt seine Frau nach dem Krieg, während der Zuschauer erfährt, dass Hanns Ludin Hitlers Geburtstag auch dann noch feiert, als die GIs schon in Sichtweite sind. Die Wahrheit darf nicht wahr sein, und wieder reagiert eine Schwester mit dem einschlägigen Martin-Walser-Affekt. Wer an der Vergangenheit rüttelt, der führt nichts Gutes im Schilde und ist ein Moralapostel. »Bist so verbissen, Malte, so verbittert. Du bist der Rächer der Entrechteten.«

Mit einem Doppelbild leben zu müssen, mit dem Bild des fürsorgenden und des schuldigen Vaters, zerreißt die Geschwister. »Ich habe das Recht, meinen Vater so zu sehen, wie ich das will. Du hast deine Sicht, aber das tut mir nun leid.« Die Schuld des Vaters ist nicht erblich, aber infektiös. Immer wieder müssen die »fröhlichen« Kindheitserinnerungen vor der Wahrheit in Sicherheit gebracht werden. »Ich kann nicht sagen, er war kein Verbrecher. Ich glaube schon, dass er besser war als ich und vielleicht besser als du.«

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Dass die Zeit alle Wunden heilt, dies behaupten nur die ZDF-Geschichtsverweser in ihren »Docu-Fictions«. Für die Familie Ludin gilt das nicht. Bei ihnen ist die Vergangenheit seit einer Ewigkeit vorüber und geht trotzdem nicht zu Ende. Nicht weil der Bruder die »Sache« ans Licht zerrt, sondern weil sechzig Jahre eine kurze Zeit sind, ein Nichts, ein Wimpernschlag. Hier gibt es keine Selbstversöhnung, denn man kann sich nicht selbst verzeihen. Die Einzigen, die man um Verzeihung für das Unverzeihliche bitten könnte, sind die Opfer. Aber die Opfer sind tot.

 
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