Nach der Bombe die EngelSeite 2/2

Das hat fast schon etwas Komödiantisches und nimmt dem Film doch nichts von dem großen Ernst, mit dem er das Thema behandelt. Ob denn Said und Khaled in ihrer mörderischen Absicht zu verstehen sind oder nicht, das ist nicht die Frage, die sich der Regisseur stellt und deshalb auch nicht beantworten will.

Abu-Assad geht es um einen tiefen Einblick in die palästinensische Gesellschaft. Israel taucht dabei nur als Schablone auf, vor der sich diese ganz und gar palästinensische Tragödie abspielt. Es geht ihm um Schicksale von einem wie Said, Sohn eines von den Palästinensern hingerichteten Kollaborateurs, der zuerst seine Tat nicht vollbringen kann und in das Westjordanland zurückkehrt. Einen Tag lang wird er umherirren, mit der Bombe um den Körper geschnürt, bedrängt von Suha, die ihn abbringen möchte, weil sie nichts hält vom Morden, von Suha, die ihn liebt und doch nicht halten kann.

Schon seinen vorherigen Film Rana’s Wedding erzählte Abu-Assad aus dem Inneren der palästinensischen Gemeinschaft: Rana, ein 18-jähriges arabisches Mädchen in Jerusalem, muss an einem einzigen Tag seinen Freund finden und heiraten. Sie rennt durch die Stadt, steigt in Taxis und Busse, organisiert die Trauungspapiere, mobilisiert die Verwandten und einen Geistlichen. Sie passiert die israelischen Militärposten, streift die Beerdigung eines palästinensischen Märtyrers und legt sich mit Soldaten an. Es geht um den Albtraum einer Stadt, in der ziviles Leben ein permanenter Kraftakt ist, um die Wut einer Generation, die ihre so genannten besten Jahre verliert, und um die Hoffnungslosigkeit, das alles zu hassen, ohne etwas ändern zu können.

Said und Khaled in Paradise Now – werden sie sich am Ende in die Luft sprengen oder doch noch die Sinnlosigkeit ihrer Aktion einsehen und sich im letzten Moment zurückziehen?

Über Abu-Assads neuem Film thront der geschäftige Jalal, der die beiden Jungen anleitet. Jalal ist eine Nebenfigur, und doch ist er zentral. Denn er verkörpert den routinierten Apparatschik der palästinensischen Selbstmörderproduktionsmaschine. Alles ist bei ihm ist ritualisiert, alles ist leer. Diese Leere füllt er mit der Verzweiflung von Rekruten wie Said und Khaled, und er verwaltet sie mit mörderischer Gewissenhaftigkeit. Indem Abu-Assad das Maschinenhafte Jalals entlarvt, stößt er ins Herz des Themas vor. Dort, das lässt uns der Film erkennen, herrscht nicht der Hass. Es ist viel schlimmer. Es wütet die Kälte der Mordbürokraten.

 
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