Film im KopfSeite 4/4
Hans Weingartner lebt in Berlin. Sein letzter Film war »Die fetten Jahre sind vorbei«
Dominik Graf
Ich würde den großen Roman Die Handschrift von Saragossa von Jan Potocki neu verfilmen wollen. Darin wird erzählt, wie ein junger belgischer Hauptmann im Spanien der napoleonischen Kriege in den Bergen der Sierra Morena auf seine verschollenen islamischen Vorfahren aus dem Mittelalter stößt. Mit denen zieht er dann 66 Tage lang in einer Irrfahrt durch die Höhlen und über die Felsen dieser Steinwüste am Rande Andalusiens. In Wirklichkeit ist es aber eine Irrfahrt durch zahlreiche tragische bis absurde Schicksale, die ihnen unterwegs begegnen und die sich vom antiken Ägypten über das maurische Spanien, die Reconquista und Südamerika bis ins 19. Jahrhundert erstrecken.
Die ineinander verschachtelten Episoden des Romans sind derb, gespenstisch, sehr komisch, mörderisch, liebesdramatisch etc. pp. Ziel des Ganzen war, ein Ideal in der Versöhnung der Religionen vor Augen zu führen, des maurischen Islams mit dem intellektuellen Christentum und dem Judentum, wie es eben in Córdoba während des Hochmittelalters entstanden war.
Potocki wollte Anfang des 19. Jahrhunderts ein Zeichen der verblassenden Aufklärung gegen die aufkommende Mystik der Romantik setzen. Aber vor allem wollte er seine todkranke Frau mit diesen Geschichten unterhalten. Der Roman ist eine Art europäische Variante von 1001 Nacht.
Ich würde vor allem deutsche Schauspieler besetzen wollen, keine internationalen Stars. Denn ich liebe deutsche Schauspieler immer mehr. Der Film wäre ungefähr so lang wie der Director’s Cut der drei Teile vom Herrn der Ringe.
Dominik Graf lebt in München. Sein letzter Spielfilm war »Kalter Frühling«
Romuald Karmakar
Viel Geld würde ich für viele Filme verwenden. Zum Beispiel für die Verfilmung von Jan Philipp Reemtsmas Im Keller oder einen Film in Argentinien (nach einer Geschichte von Juan Carlos Onetti mit Robert Duvall in der Hauptrolle). Dann gäbe es einen Film über den Biafra-Krieg, an dem sich einerseits der Kalte Krieg und andererseits der deutsch-deutsche Konflikt exemplarisch erzählen ließe. Dann unbedingt: einen Film über Kraftwerk und eine Langzeitbeobachtung (in 35 Millimetern) eines neuen Projekts von Michael Schmidt, einem der wichtigsten lebenden deutschen Fotografen. Eine Komödie wäre auch dabei: zum Beispiel über die gouvernementalen und öffentlichen Legitimationsstrategien führender waffenexportierender Länder Europas. Mit Chloë Sevigny würde ich auch noch einen Film drehen, wenn Joan Allen ihre Mutter spielt.
Romuald Karmakar lebt in Berlin. Sein letzter Spielfilm »Die Nacht singt ihre Lieder« lief im vergangenen Jahr im Berlinale-Wettbewerb
- Datum 10.02.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 10.02.2005 Nr.7
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