Nur eines erscheint noch schwieriger, als den Partner fürs Leben zu treffen: die richtige Internet-Partnerbörse zu finden. Über 2.500 Singlebörsen gibt es, dazu etwa 1.800 Dating-Portale, 1.000 Partnervermittler sowie unzählige Spezial-Börsen, in denen sich Dicke, Homosexuelle, Alleinerziehende oder Seitensprung-Suchende kontaktieren. Und fast täglich kommen neue Anbieter hinzu. Das Anbandeln im Internet hat einen gewaltigen Markt geschaffen. Mehr als 37 Millionen Euro haben die Deutschen 2004 für die Online-Partnersuche ausgegeben, 76 Prozent mehr als 2003. Für die kommenden drei Jahre rechnen Analysten mit einem jährlichen Zuwachs von mindestens 30 Prozent. Insgesamt 4,6 Millionen Nutzer sind dort registriert. Weil sie sich oft in mehreren Börsen gleichzeitig suchen, zählt die Branche 13,9 Millionen Mitglieder. Vor zwei Jahren war es erst die Hälfte.

Außerdem sind die Singles bereit, sich die virtuelle Verkupplung etwas kosten zu lassen. Bisher gibt jedes fünfte Börsenmitglied dafür Geld aus – zwischen fünf und 25 Euro monatlich. Bei der Aussicht, den Partner fürs Leben zu finden, schrecken selbst Jahresbeiträge von 250 Euro nicht ab. So kommt die Branche auf einen Pro-Kopf-Umsatz von 40 Cent. In den USA – wo der Markt dem deutschen ein paar Jahre voraus ist – gibt jeder Registrierte bereits umgerechnet 1,25 Euro für Online-Liebesdienste aus. Der US-Markt gilt als Vorbild.

In drei bis fünf Jahren wird der deutsche Markt ein ähnliches Niveau und damit seinen Höhepunkt erreichen, schätzen Experten wie Henning Wiechers, Autor der Marktanalyse Onlinedating-Report 2004. Vorsichtige Prognosen gehen davon aus, dass dann 120 Millionen Euro mit dem Online-Dating umgesetzt werden, gewagtere von einer Milliarde. Deutlich zulegen wird demnach das Geschäft der gezielten, psychologischen Vermittlung, die momentan nur ein Achtel der Mitglieder wünscht, die aber schon ein Drittel des Marktumsatzes ausmacht. Eines gilt als sicher: "Der Markt bleibt fest in deutscher Hand. Bevor US-Firmen wie Match.com hier Fuß fassen, werden die deutschen Player ihn unter sich aufgeteilt haben", sagt Wiechers.

Im Boom der letzten Monate sind zwar einige ausländische Firmen auf den Markt geprescht, doch deutsche Singles vertrauen sich eher den heimischen Marktführern an – den Singlebörsen wie Friendscout24 (2 Millionen Mitglieder) oder Neu.de (1,8 Millionen) für den schnellen Kontakt sowie dem eher klassischen Vermittler Parship (1 Million). Die haben genügend Singles im Angebot und wissen, wie man Menschen verbindet. Denn große Telekommunikations- und Verlagskonzerne stehen hinter ihnen. Auf den Arbeitsmarkt jedoch wird der Heiratsmarkt-Boom wohl nicht durchschlagen. Nur 15 der über 1.000 Kuppel-Companies haben mehr als zehn Mitarbeiter. Die meisten Vermittler sind Alleinunternehmer. Nadine Oberhuber