Die gute Nachricht stammt von Albert Kitzl, der in Diderots Rameaus Neffe den Schnorrer als Widerpart des Philosophen (Felix von Manteuffel) gibt: Was mich interessierte, war der Dialog - und nicht irgendwelche Performance-Mätzchen. Deshalb sind die Hamburger Kammerspiele zu preisen: keine Mätzchen, sondern ein knappes, generisches Bühnenbild mit ein paar Requisiten, das die volle Konzentration auf das Streitgespräch erlaubt. Und das Publikum hört mucksmäuschenstill zu, obwohl das Thema - ein Klassiker des 18. Jahrhunderts - heute so weit weg erscheint wie das Erdbeben von Lissabon.

Der Philosoph predigt Selbstzucht, Wahrheit und Moral - die Tugenden des Diogenes. Und wenn es den nach einer Frau gelüstet, die ihn partout nicht in seinem Fass aufsuchen will?, fragt Rameaus Neffe. Dann möge er sich das niedere Bedürfnis eben selber ausreden. Der Parasit aber hält Dekadenz, Faulheit und Amoral hoch und wütet, dass er nichts mehr zum Saufen und Fressen habe, weil ihn der Onkel von seinem Tisch vertrieben hat. Außerdem klaut er dem Moralisten den letzten Louisdor. Die schlechte Nachricht stammt ebenfalls von Kitzl: Wir kamen ohne Regisseure aus. Nicht ganz. Etwas mehr Tempo und etwas weniger overacting hätte Diderots Aperçus und Zynismen heftiger funkeln lassen.