Es muss etwas passieren ... Der Wirt rührt heißes Wasser, viel Schokoladenpulver und nur einen winzigen Schuss Milch zu einer dicken Creme.

So lieben es die italienischen Gäste. Und die sind seit vielen Jahren die Hauptkundschaft hier in Bovec, einem kleinen Dorf im äußersten Nordwesten Sloweniens. Es muss etwas passieren, sagt Martin Berginc, sonst wird das hier im Winter eine Katastrophe. Für den Wirt, der mit seinem silbernen Schnauzbart und den Koteletten aussieht wie Meister Eder in jungen Jahren, ist die Katastrophe, dass die Italiener nicht mehr so zahlreich kommen. Sie hätten nicht mehr so viel Geld wie früher, sagt er, außerdem sei es hier nur noch um 20, nicht, wie in den frühen Neunzigern, um 50 Prozent billiger. Und der Grenzübergang Uceja, der das Soca-Tal mit dem Großraum Udine verbindet, werde schon um acht Uhr abends geschlossen.

Jetzt hofft Martin Berginc, wie die meisten Dorfbewohner, auf die Franzosen.

Nicht als Gäste, sondern als Investoren. Eine französische Firma hat im vergangenen Jahr nämlich Anteile an den Skiliften auf dem Berg Kanin gekauft und die rapide verfallende Kaserne der jugoslawischen Armee gleich dazu.

Davon verspricht man sich nun, dass endlich frischer Wind in ein Vorhaben kommt, von dessen Verwirklichung seit mehr als einem Jahrzehnt gesprochen wird: die Verbindung des Kanin-Skigebiets mit dem unmittelbar benachbarten italienischen Skigebiet Sella Nevea. Es gilt, nur wenige hundert Meter zu überbrücken, gleich hinter dem Bergkamm liegt Italien. Wir haben viel Wind vom Mittelmeer, aber auch viel Sonne, die Italiener haben schattigere Pisten und dafür mehr Schnee, versucht der Wirt schon mal Synergieeffekte aufzuzählen. In jedem Fall würde ein solcher Lift die Attraktivität des Skigebiets sprunghaft erhöhen. Zwar ist Kanin mit 2300 Metern die höchstgelegene der vielen slowenischen Wintersportregionen, die sonst meist nur Höhen von maximal 1600 Metern erreichen. Doch man ist zu weit entfernt von der Hauptstadt Ljubljana. Zwei Stunden sind es über enge Passstraßen hierher, eine Stunde mehr als etwa nach Kranjska Gora, dem bekanntesten Skizirkus, der noch dazu mit den neuesten Anlagen bestückt ist.

Neueste Anlagen, ist schon im Dorf zu hören, dürfe man nicht erwarten, aber dafür seien hier die schönsten Pisten nicht überlaufen, und von ganz oben biete sich ein Blick wie kein zweiter: im Norden der höchste Berg Sloweniens, der Triglav, im Süden bei klarem Wetter das Mittelmeer und bei ganz klarem Wetter die Schiffe im Golf von Triest.

Ob das mit den Schiffen wirklich stimmt, lässt sich erst mal nicht überprüfen. Denn heute weht die Bora, der gefürchtete kalte Fallwind, mit bis zu 100 Kilometern in der Stunde. Das Skigebiet bleibt den ganzen Tag geschlossen. Was also tun? Sommer müsste sein. Da könnte man auf dem türkisgrünen Wasser der Soca, eines Flusses, der besser unter dem Namen Isonzo bekannt ist, Kajak oder Schlauchboot fahren. Alle 2000 Gästebetten in Bovec sind dann belegt. Doch nun, da ein eisiger Wind weht, ist das Dorf leer. Auf dem Friedhof stehen viele Grabsteine etwas windschief, manche liegen auf der Seite, weil es seit 1998 immer wieder zu Erdbeben kommt.