Einen unvergesslichen Auftritt hatte der Pianist Markus Hinterhäuser vor drei Jahren in Christoph Marthalers Inszenierung von Franz Schuberts Schöner Müllerin. Er gab mit hängenden Schultern einen Sehnsuchtstrauerkloß, der im Falsett rostige Eisenträger ansang und den Vergeblichkeitston fis in eine alte Celesta hämmerte, bis die Ohren schmerzten. Wer nach Äußerlichkeiten geht, hätte Hinterhäuser auch im richtigen Leben mit einer Marthaler-Figur verwechseln können, als er bei den Salzburger Festspielen in der Mortier-Ära mit dem Hemd über der Hose und selbst gedrehter Zigarette zwischen den Lippen durch die Foyers huschte. Er war eine Gegenfigur zur aufgebretzelten Nachher dinieren wir im Goldenen Hirschen-Festspielgesellschaft. Zusammen mit seinem Partner Thomas Zierhofer-Kin veranstaltete er das Zeitfluss-Festival. Die beiden kontrastierten die Opern in den großen Häusern mit neuer Musik in alternativen Spielstätten. Sie stimmten als Festivalmotto Gesänge von der Notwendigkeit des Überlebens an und fragten: Was ist, wenn nichts mehr ist? Beim Zeitfluss-Festival (von dem der Altwiener Opernconférencier Marcel Prawy behauptete, schon der Name klinge nach einer Geschlechtskrankheit) waren Zentralwerke von Nono, Stockhausen und Feldman genauso zu hören wie Cecil Taylor oder rumänische Blasmusik. Hinterhäuser, der als Pianist selbst viel neue Musik spielt, aber auch Liedbegleiter von Brigitte Faßbaender war, ist ein freier unabhängiger Geist, für den es keinen großen Unterschied macht, ob seine künstlerischen Ideen in Festivalprojekte einfließen oder in sein Klavierspiel. Er ist eine Schubert-Figur, die seinen Idealen nachträumt.

Vergangene Woche ist er zum Konzertchef der Salzburger Festspiele berufen worden. Und wenn er von 2007 an nur ein paar seiner Ideen umsetzen kann, wird es mit der Repertoire-Routine, die derzeit in den Festspielkonzerten grassiert, vorbei sein.