"Eine Wüste ist dieser erhabene und geliebte, weltabgeschiedene Erdenfleck … eine der Inseln, die man einst die glückseligen nannte … ein nacktes, skeletthaftes, karges Land aus nichts als Knochen, ein Land, das eine ermüdete Seele zu stählen vermag." So beschrieb ein Dichter im Jahr 1924 – seinen Verbannungsort. Jenen wüstesten, einsamsten Teil des Landes, in den man ihn, den politisch Verfolgten, hatte schicken können.

Aber er nannte die Insel auch eine "Oase in der Wüste der Zivilisation". Und dieses Paradoxon erklärt vielleicht, warum heute so viele Menschen freiwillig auf die Insel kommen, die schon mit ihrem Namen verrät, dass es auf ihr ziemlich unangenehm blasen kann.

So reichlich es also Wind gibt auf der Insel, so knapp ist das Süßwasser. Der Strukturwandel von extensiver Landwirtschaft zu intensivem Tourismus ist deshalb nicht unproblematisch.

Politisch gehört die Insel zu einem anderen Erdteil als geografisch. Und ihr Landschaftsbild könnte zwei gravierende Fehleinschätzungen provozieren: Weder beweisen ihre Lavafelder, dass es sich um eine reine Vulkaninsel handelt (der letzte Vulkan erlosch vor 10.000 Jahren, die Insel entstand durch Hebung des Meeresbodens), noch stammt der weiße Dünensand im Norden von der Wüste auf dem Festland.

Wie heißt die Insel?

Rafi Reiser

Auflösung aus Nr. 6: