Auch kleine Dinge können von großen Begebenheiten erzählen, Lego-Steine zum Beispiel. Man muss sich ihnen nur lange genug zuwenden. Da steht man also im Focke Museum in Bremen vor einer Lego-Stadt und sieht: Gebäude, Straßen und Männchen der vergangenen fünfzig Jahre, ein halbes Jahrhundert auf zehn Quadratmetern. Das Erholungshotel am See, bestimmt aus den Achtzigern, ebenso die Kameramänner (Privatsender!), Fahrradfahrer (Waldsterben!) und die Shell-Tankstelle (Autogesellschaft!). In den Sechzigern waren die Straßen eng, die Fenster sprossig und die Dächer spitz. Noch früher wurden gar Kirchen gebaut, und zwar in den dänischen Farben Rot und Weiß, was auf den nationalpädagogischen Ursprung der Lego-typischen civitas hinweist. Dieser Ursprung erschließt sich, wenn man sich von der Stadt ab- und den Einzelstücken in Glasvitrinen zuwendet, die aus der Zeit vor Erfindung des Lego-Steins 1953 stammen: Nähmaschinen, Lastkräne und Traktoren sollten die Kinder auf die Errungenschaften des urban-industriellen Dänemarks einstimmen.

Die Ausstellung LegoWelt - Spiel mit der Phantasie (bis zum 6. März) verzichtet weitgehend auf Gigantomanie - sie tritt nicht den Beweis an, dass man mit Lego Knäckebrotfabriken meterhoch nachbauen kann. Gute Nachricht zum Schluss: Der Konzern ist jüngst in die Computerspielkrise geschlittert - er folgt also weiterhin dem Lauf der Zeiten.