Der Mann, der sich Future nennt, will wieder etwas von ihr. Sieben E-Mails hat er geschickt, und das, obwohl sie ihm schon vor längerer Zeit bedeutet hat, dass es keine Zukunft für sie beide geben wird. Es ist ein dämmriger Nachmittag, Elke Hofsäß sitzt vor einem kleinen Laptop in ihrer Dachwohnung.

An den Wänden hängen großflächige Ölbilder, im Wohnzimmer stehen ein Le-Corbusier-Sessel und ein Gehege mit einem Chinchilla. Ein Hündchen sitzt unter dem Tisch, vor dem Haus steht ein Mercedes-Cabrio aus den siebziger Jahren. Elke Hofsäß klickt Future an. Hallo, schade, ich habe keine Antwort von Dir, steht in der ersten Mail. Hallo, schade, ich habe noch immer keine Antwort von Dir, in der nächsten. Elke Hofsäß löscht die anderen, ohne sie zu lesen. Elke Hofsäß ist 39 Jahre alt und sucht einen Mann im Internet.

Elke Hofsäß loggt sich täglich ein. Name: Sugar, Passwort: Barbarella. Sie lässt die Liste der Männer über den Bildschirm laufen, die ihr geschrieben haben. Phil zum Beispiel, der Investmentbanker mit dem teuren Anzug und den schlechten Manieren, der ihr beim ersten Treffen in der Kneipe an den Rock gegangen ist. Sie klickt Phil weg. Elke Hofsäß ist offen für vieles, aber nicht alles ist gut genug für sie. Morpheus sieht nett aus. Er hat ein Foto geschickt, in Schwarzweiß, ein dandyhafter junger Mann sitzt im Fond eines Londoner Taxis. Bin inspiriert von Deinen Gedanken und Träumen ... Hat mich unter anderem angesprochen, dass du Kaffee magst. Du bist sicher zu sehr im Stress, um mit mir einen zu trinken. Oder?? P.S. Trinkst du Deinen Kaffee mit sugar, kalt oder warm? Elke Hofsäß lehnt sich zurück und blickt über die Dächer. Die Welt scheint keine Grenzen zu haben hier oben.

Als Mathias Böhm die Liebe seines Lebens fand, waren ihm klare Grenzen gesetzt. Er hatte 55 000 Euro Schulden und keine Arbeit. Früher besaß er eine Firma, gemeinsam mit einem Bekannten. Hausmeisterarbeiten haben sie gemacht, eines Tages räumte sein Partner den Firmentresor aus und setzte sich in die Türkei ab. Mathias Böhm haftete für den Schaden. Und dennoch sei er noch nie im Leben so glücklich gewesen, sagt er. Im August habe er die Richtige kennen gelernt, wenig später ist er von Hamburg zu ihr nach Brandenburg gezogen.

Drei Zimmer haben Mathias Böhm und seine Lebensgefährtin Marita Wenisch. Bis auf den letzten Winkel ist alles darauf ausgerichtet, das, was die Umgebung nicht zu bieten hat, durch Gemütlichkeit in den eigenen vier Wänden auszugleichen. In einem Zimmer hängt ein riesiges Puzzle. Es zeigt einen Sonnenuntergang am Strand. Marita Wenisch hat es zusammengesetzt. 33 Jahre alt ist sie, von Beruf Verkäuferin in einem Teppichladen. Still und aufrecht sitzen sie nebeneinander, so, als hätten sie an ihrer bloßen Anwesenheit schon genug. Sie sind eines dieser Paare, die eine Woche zusammen sein könnten oder zehn Jahre, die genügsame Zufriedenheit, die sie ausstrahlen, würde dieselbe sein.

Marita Wenisch und Mathias Böhm haben sich im Internet kennen gelernt, in einem dieser Kontaktforen, wie sie seit einiger Zeit an allen Ecken und Enden im Internet entstehen. Online-Dating, Single Site, Partnerbörse oder Online-Partneragentur heißen die Seiten, es sind keine herkömmlichen Chats, sondern Dienste, die im Monat zwischen fünf und 25 Euro kosten. Auf der ersten Seite steht so etwas wie Ich bin. Darunter heißt es: Ich suche, und nun kann man nicht nur einen Mann oder eine Frau wählen, sondern auch das Alter, das Land und die Region. Per Profisuche oder erweiterter Suche darf man noch präzisere Vorstellungen eingeben. Hautfarbe, Hobbys, Sternzeichen, Beruf? Haare blond oder braun? Raucher oder Nichtraucher?

Welche Figur soll er oder sie haben, normal, athletisch oder ein paar Kilos zu viel? Vegetarier, Veganer, keines von beiden? Konfession von A wie Adventist bis W wie Wiccan? Kinder ja, nein oder egal?