Das ist sie: die älteste Madonnenstatue der Christenheit. Nicht in Jerusalem steht sie und nicht in Rom, sondern im Rheinland, im Ruhrgebiet, in der grauen, durch immerwährende Modernisierungsoperationen bis zur völligen Gesichtslosigkeit entstellten Innenstadt von Essen. Dort nämlich, ausgerechnet, verbirgt sich ein Wunder: das uralte Münster und neben dem Münster die Schatzkammer, mit ihren Kostbarkeiten aus ottonisch-salischer Zeit eine der bedeutendsten Europas. Hier ist die einzigartige, 74 Zentimeter hohe Skulptur bis zum 27. Februar aus nächster Nähe zu sehen, die Goldene Madonna mit dem Kind auf ihrem Schoß, die um 980 ein unbekannter Künstler aus Pappelholz schnitzte und mit zartem Goldblech beschlug. Ein Jahr lang sind das Holz, das Gold und die magischen Emailleaugen restauriert worden. Anfang April kehrt die Figur, einst wertvollster Besitz der Essener Stiftsdamen, für den Rest des Jahrtausends dann wieder zurück ins Münster, in eine Anbetungskapelle, hinter Glas und Gitter dem weltlichen Blick entrückt. B.E.

Domschatzkammer Essen, Burgplatz 2; Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Eintritt 3 Euro; Tel. 0201/2204206