Offiziell herrscht Funkstille, aber hinter den Kulissen gehen die Gespräche zwischen Fiat und General Motors (GM) um die so genannte Put-Option der Turiner weiter, nach der die Amerikaner deren Autosparte vollständig übernehmen müssten. Beide Seiten wollen nach dem offiziellen Scheitern der Verhandlungen in der vergangenen Woche einen langwierigen und teuren Rechtsstreit verhindern. Während GM Schwierigkeiten haben könnte, die Behauptung zu beweisen, Fiat habe durch Kapitalerhöhungen in der Autosparte und den Verkauf der Finanztochter Fidis den vor fünf Jahren geschlossenen Vertrag mit ebendieser Put-Option nichtig gemacht, fürchten die Italiener den Heimvorteil der Amerikaner am Gerichtsort New York. Derweil geht es mit Fiat Auto immer weiter bergab. Sinkende Marktanteile, Verluste - 744 Millionen Euro in den ersten neun Monaten 2004 - und Schulden von mehr als acht Milliarden Euro machen das Unternehmen mit den Marken Fiat, Alfa Romeo und Lancia alles andere als attraktiv. Nach dem Tod der Agnelli-Brüder Gianni und Umberto, beide Enkel des Gründers Giovanni, hat die Familie zwar demonstrativ Giannis Enkel Johan Elkann zum Vizepräsidenten und den charismatischen Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo zum Präsidenten gemacht - einen Mann, der als Ziehsohn des Avvocato Gianni gilt. Ein Jahr danach ist die Zukunft von Fiat aber so ungewiss wie nie zuvor.

Im September soll mit dem neuen Fiat Punto der Absatz wieder angekurbelt werden, so wie zuletzt mit dem neuen Panda und dem Lancia Ypsilon. Schlägt der Punto nicht ein, wäre der Schaden gewaltig. So ist die kämpferische Ankündigung Montezemolos: Wir werden gegenüber GM auf unserem Recht bestehen, zwar strategisch verständlich, denn Fiat hofft immer noch auf einen Vergleich und die damit verbundene Ausgleichszahlung der Amerikaner in Höhe von 1 bis 1,5 Milliarden Euro. Psychologisch ist sie aber verheerend.

Die Tatsache, dass der größte Konzern des Landes seine Stammsparte, das Autogeschäft, am liebsten an ein ausländisches Unternehmen verschachern würde, finden nicht nur die Gewerkschaftsführer deprimierend, die für den 11.

März zu Streik und Großkundgebung in Rom aufgerufen haben. Bei Fiat Auto und seinen Zulieferern stehen 100 000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.