Kein Wort mehr über Nebeneinkünfte. Auch nicht über Sigmar Gabriel, den ehemaligen Ministerpräsidenten und SPD-Hoffnungsträger a. D., der sich nach seiner Abwahl nicht so recht entscheiden konnte, ob er weiter Hoffnung tragen oder nicht doch Unternehmen beraten sollte. Die Aufregung um Abgeordnete, die nebenbei verdienen, hat ihren Höhepunkt längst überschritten, auch wenn nun noch das ein oder andere Nachhutgefecht geführt wird. Spannender ist die zweite, die Nach-Aufregungsphase: Was folgt aus alledem?

Früher, als die Politik ihre Affären noch selbstbewusst aussitzen konnte, war die Antwort einfach: nichts. Oder jedenfalls nicht viel. Auch heute wehren sich die vereinigten Rechtsanwälte in den Parlamenten hartnäckig - und wahrscheinlich erfolgreich - gegen die Forderung, künftig ihr Einkommen öffentlich zu machen. (Wohlgemerkt: ihr Einkommen, nicht ihre Mandanten!) Und dennoch bewegt sich etwas. Die Präsidenten der 16 Landesparlamente treffen sich an diesem Donnerstag, um erstmals gemeinsam über einheitliche Verhaltensregeln für Volksvertreter zu beraten. Die rot-grüne Regierung will demnächst eine lange überfällige Novelle des Gesetzes zur Abgeordnetenbestechung im Bundestag einbringen. Und in Nordrhein-Westfalen steht sogar eine kleine Revolution bevor: Der Landtag berät über eine große Diätenreform - und wenn sich der CDU-Wahlkämpfer Jürgen Rüttgers noch einen letzten Ruck gibt, könnte das Gesetz bereits vor der Landtagswahl im Mai beschlossen werden.

Das Gesetz sieht eine vollständige Neuregelung der Abgeordnetenbezüge vor - und erfüllt damit eine uralte Forderung zahlreicher Parteienkritiker: Sämtliche steuerfreien Pauschalen, von denen die Abgeordneten bislang profitierten, werden gestrichen - die Zahlung von Übergangsgeld nach dem Ausscheiden aus dem Parlament wird auf drei Monate begrenzt - an die Stelle der staatlichen Altersentschädigung tritt die Pflicht zur privaten Vorsorge.

Im Gegenzug werden die Diäten von derzeit 4807 Euro pro Monat auf 9000 oder 9500 Euro annähernd verdoppelt. Auf lange Sicht käme das die Landeskasse - trotz der erhöhten Bezüge - deutlich günstiger als bisher. Die Politik verändert sich selbst - das wäre, wenn es so kommt, mehr als nur eine kleine Revolution. Das wäre dann: eine echte Reform.