Das Disco-House-Trio Whirlpool war ohnehin ein kurioses Projekt, das es aus unerklärlichen Gründen Mitte der Neunziger mit dem Hit From: Disco To: Disco bis an die Spitze der italienischen Charts schaffte. Dass sich aber ausgerechnet der kauzige Justus Köhncke zu der interessantesten Künstlerpersönlichkeit des Trios entwickelte, kommt einem vier Jahre nach der Auflösung des Trios noch erstaunlicher vor. Eric D. Clark, die Diva der Gruppe, ist mehr oder minder abgetaucht, und auch dem letztjährigen Soloalbum des ehemaligen Spex-Redakteurs Hans Nieswandt war nur bescheidener Erfolg vergönnt.

Justus Köhncke dagegen arbeitet mit seinem nun schon dritten Album Doppelleben (Kompakt/Rough Trade) weiter an der verblüffend ernst gemeinten Vision, Schlager und Techno zu verschmelzen. Was ist Musik hieß die Platte, auf der ihm vor knapp drei Jahren das Kunststück gelang, sich mit seiner zerbrechlichen Stimme und den mit leichter Hand hingetuschten Liebesminiaturen seiner Texte kongenial an die Sentimentalität des einen anzuschmiegen, ohne den Schwung des anderen zu verlieren. Durch ein Duett mit dem Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow band Köhncke sogar die Indie-Rock-Gemeinde in sein musikalisches Beglückungsprojekt ein. Mit dem brillianten Disco-House-Epos Timecode brachte er schließlich einen der größten Dancefloor-Hits des vergangenen Jahres heraus.

Timecode findet sich auch auf Doppelleben, und obwohl auf die Hälfte der ursprünglichen Länge heruntergekürzt, hat es nichts von der melancholischen Schönheit seiner Melodieführung verloren, die zum Geräusch einer tickenden Uhr von der Angst vor dem unvermeidlichen Ende einer jeden durchtanzten Nacht kündet. Ansonsten bewegt sich Köhncke allerdings auf von ihm schon eingetanzten Wegen. Zwar bezaubert ein Stück wie Schwabylon mit Streichern, die an Chic erinnern, und Wo bist Du besticht mit Zeilen wie Es ist noch Platz in meinem Herz oder Ich weiß, nichts bleibt wie es war. Doch schon die Single Elan wirkt, als sei beim Durchpausen von Timecode die Hookline verloren gegangen.

Vielleicht ist es einfach die im Albumtitel angedeutete Strategie seines Tuns, die Justus Köhnke nicht gut getan hat: Das Doppelleben, das sich selbst als solches ankündigt, gibt sein Geheimnis auf und verliert einiges von seinem Zauber.