Abgebrochen
Die Zahl der Studienabbrecher steigt. Ausnahme: Jura
In Deutschland steigt die Zahl der Studienabbrecher. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS).
Demnach verlässt jeder vierte Student die Hochschulen ohne Abschluss, das sind zwei Prozentpunkte mehr als bei der Vorläuferstudie im Jahr 2002. Die aktuelle Untersuchung befasst sich mit den Studenten, die sich Mitte bis Ende der neunziger Jahre erstmals eingeschrieben haben.
Allerdings ist die Zahl der Abbrecher nicht in allen Fächern gestiegen - in manchen ist sie auch deutlich gesunken. Studiengänge mit diffusem Profil und unklarer Struktur schneiden schlechter ab, reformierte kommen besser weg. Am auffälligsten ist die Veränderung im Fach Jura: Die Abbrecherquote ist von 27 auf 16 Prozent gesunken. Die Reformen im Jurastudium greifen mittlerweile.
Früher wurden die Juristen im Staatsexamen mit Leistungsanforderungen konfrontiert, die sie während des ganzen Studiums nicht kennen gelernt haben, sagt der HIS-Experte Ulrich Heublein. Nun hätten Zwischenprüfungen und der Freischuss genannte Freiversuch die in dieser Stärke überraschenden Verbesserungen herbeigeführt. Auch in der Pharmazie habe sich die Abbrecherquote durch eine klare Studienstruktur von 17 auf 12 Prozent verringert.
In den Sprach- und Kulturwissenschaften, darunter fallen etwa Germanistik, Geschichte, Gräzistik, bleibt die Lage desolat: 45 Prozent der Studienanfänger kommen nicht zu einem Abschluss, vier Prozentpunkte mehr als bei der vorangegangenen Untersuchung. Schuld daran tragen nicht nur die Hochschulen, die ein freies, aber unstrukturiertes Studium anbieten. Die Studenten sind schlecht informiert: Sie studieren Germanistik, weil sie Hesse-Zitate wunderbar finden, sagt Heublein, und dann müssen sie etwas über die Lautverschiebung vom Alt- zum Mittelhochdeutschen lernen. Dasselbe Phänomen zeigt sich auch bei Informatikstudenten, bei denen zwei von fünf Anfängern auf der Strecke bleiben. Da gibt es viele ungeeignete Leute - sie studieren Informatik, weil sie gut Computer spielen können, sagt Heublein.
In Chemie ist die Abbrecherquote von 23 auf 33 Prozent gestiegen, in Mathematik von 12 auf 26. In den Naturwissenschaften ist zudem die Schwundquote besonders hoch. Sie erfasst die Fachwechsler, wenn etwa ein Mathematiker kein Mathe-Diplom macht, sondern einen Magister in Germanistik. Verheerend, nennt das Heublein, denn wir brauchen Naturwissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt.
Überraschend schlecht ist das Abschneiden der Fachhochschulen. Hier ist das Studium meist stark verschult und praxisnah, manchen Unireformern gelten die FHs daher als Vorbild. Dennoch brechen dort 22 Prozent ihr Studium ab - nur vier Prozentpunkte weniger als an den Unis. Insbesonders in den nachgefragten Wirtschaftswissenschaften stehen die Fachhochschulen schlecht da. Offenbar gelingt es ihnen nicht, ihre Stärken auch auszunutzen, kritisiert Heublein.
- Datum 17.02.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08/2005
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