forschung Neues aus der Ranking-SchmiedeSeite 4/4
Die Platzierung in Rankings dagegen tauge nicht, um Geld zu verteilen, warnt CHE-Chef Detlef Müller-Böling – was nicht heißt, dass sie von den Universitäten nicht ernst genommen würden. Kaum sind die Ergebnisse bekannt, bejubeln die Sieger ihre guten Platzierungen in Pressemitteilungen. Selbst wenn sie weniger gut abschneiden, finden sie – wie Kandidaten nach einem verlorenen Wahlkampf – in der Menge der Einzelergebnisse doch noch aufmunternde Botschaften und stellen sie heraus. Diese Erfahrung machte zum Beispiel die Deutsche Telekom Stiftung, die kürzlich zwei Stiftungslehrstühle vergeben wollte und dazu mit verschiedenen Hochschulen sprach. Nahezu alle Unipräsidenten hätten dabei ihre Spitzenränge in diversen Rankings als Beweis für die Forschungspotenz ihrer Hochschule angeführt, berichtet der Vorsitzende der neuen Stiftung, Klaus Kinkel.
Dass sich aus Erfolgen im Schönheitswettbewerb der Forschung politisches Kapital schlagen lässt, haben auch die Parteien erkannt. Im Föderalismusstreit um die Zuständigkeit für die Bildung weisen die Wissenschaftsminister Thomas Goppel und Peter Frankenberg immer wieder auf die vielen oberen Rankingplätze der bayerischen und baden-württembergischen Landeshochschulen hin, frei nach dem Motto: Wofür brauchen wir den Bund? Unsere Unis sind doch jetzt schon Spitze!
Innerhalb der Hochschulen entfalten die Leistungsschauen ebenso ihre Wirkung. »Wir schauen uns die Rankings sehr genau an und besprechen die Ergebnisse mit den Fachbereichen«, berichtet etwa der Präsident der TU Darmstadt, Johann-Dietrich Wörner. Insbesondere wenn die TU schlecht abschneide, werde Ursachenforschung betrieben: Wie aussagekräftig ist das Ranking? Haben die Professoren eine Strategie, um in Zukunft besser abzuschneiden? Umgekehrt nutzen die Fachbereiche die Hochschulvergleiche im Kampf um die Mittel gegenüber der Hochschulleitung, weiß Stefan Hornbostel: »Dann heißt es, wir können unsere gute Position im Ranking nur halten, wenn wir mehr Geld bekommen.«
Insofern geben die Rankings der deutschen Hochschullandschaft ein neues Gesicht. Sie beschleunigen die Teilung in ein höchst differenziertes System von international konkurrenzfähigen Spitzeneinrichtungen einerseits und solchen, die sich auf den regionalen Arbeitsmarkt konzentrieren andererseits; die Unterscheidung von Forschungsfakultäten und solchen Fachbereichen, die ihre erste Aufgabe in der Lehre sehen. Dass solche Trennlinien nicht mehr nur zwischen Fachhochschulen und Universitäten verlaufen, belegen die verschiedenen Leistungswettbewerbe bereits heute. Denn sowohl im Förderranking der DFG wie auch im Forschungsvergleich des CHE zeigt sich: Gerade ein Viertel der Universitätsfakultäten leistet 50 Prozent der Forschung.
Die vollständigen Daten finden Sie unter www.zeit.de/forschungsranking »
- Datum 17.02.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 17.02.2005 Nr.8
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