Manche Männer der Wirtschaft können damit leben, wenn sie von der Öffentlichkeit angefeindet und von der Justiz verfolgt werden. Hellmut Trienekens kann das nicht. Der millionenschwere ehemalige Entsorgungsunternehmer hat sich völlig zurückgezogen. Das letzte Mal sah man ihn im September 2004 vor dem Kölner Landgericht, angeklagt wegen Steuerhinterziehung. Nun soll er erneut vor Gericht – wegen Korruption.

Viele waren gekommen zu dem ersten Verfahren, damals, im September. Sie kamen, den "Müllpaten von Nordrhein-Westfalen" zu sehen, den Mann, der noch vor drei Jahren die Müllwirtschaft im Lande nahezu als Monopolist beherrschte. Doch der Angeklagte entsprach so gar nicht diesem Feindbild. Trienekens ist heute schwer herzkrank und depressiv. Den Absturz vom erfolgreichen Entsorgungsunternehmer zum mutmaßlichen Kriminellen hat er nicht verkraftet. Das Urteil, zwei Jahre Bewährung und eine Geldbuße von 10 Millionen Euro, nahm er hin. Das Gericht setzte aus Sorge, er könne kollabieren, einen Notfallmediziner neben die Anklagebank.

Hellmut Trienekens, so konnte man an diesem Tag erfahren, fühlt sich als Pionier der deutschen Entsorgungswirtschaft, als Mann mit Verdiensten ums Gemeinwohl – wenn auch mit kleinen Fehlern. Irritiert verfolgte das Publikum, wie er mit den Tränen kämpfte. So mancher Zuschauer hielt das Auftreten des Angeklagten für inszeniert. In der öffentlichen Meinung ist Hellmut Trienekens der Kopf einer Müllmafia, die Politikern und Parteien Geld und Beraterverträge zugeschanzt und damit lukrative Aufträge erkauft hat.

Wer also ist Hellmut Trienekens: ein ehrbarer Mittelständler mit Steuerproblemen oder die Spinne in einem "Netzwerk der Abhängigkeiten", wie eine Sonderermittlungsgruppe der nordrhein-westfälischen Landesregierung resümierte?

Die Story des Aufsteigers Hellmut Trienekens könnte Stoff für Loblieder auf den innovativen selbstständigen Unternehmer liefern. Der Mann, der 1961 in dem Dorf Süchteln bei Viersen am Niederrhein den kleinen Heu- und Strohhandel seines Vaters übernimmt, beweist von Beginn an einen ausgeprägten Riecher für Zukunftsmärkte. Zu dem kleinen Unternehmen, das Trienekens von seinem Vater erbt, gehört auch ein gebraucht erstandener Müllwagen. Bald beginnt der Juniorchef, das Müllgeschäft planmäßig auszubauen.

Zu einer Zeit, in der noch niemand von Wegwerfgesellschaft spricht, scheint Trienekens zu ahnen, dass sich bei der Beseitigung von Müll ein riesiges Geschäftsfeld auftun wird. Schon in den siebziger Jahren – als in Deutschland nur wenige Spezialisten das Wort Recycling erklären können – stellt er die ersten Altpapiercontainer auf. Nach und nach baut Trienekens eine komplette Wertschöpfungskette für das Müllgeschäft auf, dabei ist er seiner Zeit immer ein Stück voraus. Als 1991 die Verpackungsverordnung in Kraft tritt, besitzt er schon zwei Müllsortieranlagen. Und als 1996 das Kreislaufwirtschaftsgesetz folgt und der Müllverbrennung den Weg zur Standardtechnologie bahnt, ist Trienekens bereits Mitbesitzer einer Müllverbrennungsanlage in Krefeld.

Auf dem Höhepunkt seiner Macht herrscht er über mehr als 100 Firmen

Die Trienekens-Unternehmensgruppe setzt nun auf Expansion, mit fremdem Geld. Der kleine Müllunternehmer aus der niederrheinischen Provinz ist inzwischen so groß und erfolgreich, dass der Essener Energiekonzern RWE AG beim Aufbau seines Entsorgungsgeschäfts an ihm nicht mehr vorbeikommt. 1989 steigt der Energieriese bei Trienekens ein und erhöht in den folgenden Jahren seine Anteile.

Im Jahr 2002, auf dem Höhepunkt seiner Macht, herrscht Hellmut Trienekens über ein Imperium von weit über hundert Beteiligungsfirmen. Er bietet in Sachen Müll alles an, was der wachsende Markt verlangt. Von Ingenieurleistungen über Müllabfuhren und Deponien bis zu Müllsortieranlagen, Kompostwerken und Müllverbrennungsanlagen. Er fährt den Müll der Kommunen ab, und er sammelt Gewerbemüll. Er hat Krefeld, Köln, dem Kreis Düren und der Stadt Aachen Teile ihrer Müllwirtschaft abgekauft, er ist Mitbesitzer der Müllverbrennungsanlagen in Krefeld, Iserlohn, Weisweiler und Köln und verfügt über Verbrennungskontingente in den Müllöfen in Bonn, Oberhausen und Leverkusen. Er holt Müll aus der Schweiz, aus Italien und den Benelux-Staaten und versucht, in Sachsen Fuß zu fassen. Der Mitinhaber RWE verzichtet darauf, dem Tochterunternehmen seinen Stempel aufzudrücken. Denn bei der kommunalen Kundschaft ist Hellmut Trienekens eine eingeführte Marke, die personifizierte Kompetenz in Sachen Müllentsorgung. Trienekens holt einen Großauftrag nach dem anderen herein.

Es ist ein ungewöhnlich milder Nachmittag, und Andreas Lehmann wartet auf der Außenterrasse eines Kölner Cafés. Seinen richtigen Namen will er nicht nennen. Lehmann ist der Typ kommunaler Spitzenmanager, der zeit seines Berufslebens gegen die Schwerfälligkeit bürokratischer Apparate ankämpft. Er will gestalten. Er will effizient arbeiten. Und deshalb hatte er gern mit Hellmut Trienekens zu tun. "Der Mann war von überwältigender Tatkraft", sagt Lehmann. "Der hat früh um sieben angerufen und abends bis elf." Jahrelang haben die beiden beim Betrieb einer chronisch defizitären Müllverbrennungsanlage zusammen gearbeitet. Ständig gab es Probleme, weil der Müllofen nicht ausgelastet war. Und immer wusste Trienekens eine Lösung. "Lehmann, wir packen das", pflegte er seinen Geschäftspartner zu ermutigen. Mit dem Bau des Müllofens hatten die Kommunen Probleme lösen wollen. Stattdessen wurde die unrentable Anlage selbst zum massiven Problem. In dieser Situation konnte nur Trienekens helfen, mit Mülllieferungen, woher auch immer. Und Trienekens half. So etwas erzeugt Dankbarkeit: "Er hat uns mit Müll das Maul gestopft."

Die Politiker lieben Trienekens, weil er ihnen stets das Gefühl gibt, ihre müllpolitischen Probleme zu lösen. In den Verwaltungen schätzt man ihn als kompetenten Unternehmer, der Schwung in die bürokratischen Abläufe bringt. In all den Jahren hat Hellmut Trienekens nur einen Feind: den Entsorgungsunternehmer Norbert Rethmann aus Lünen, mit dem er sich einen beinharten Konkurrenzkampf um jeden Kunden liefert, schlechte Nachrede inklusive.

CDU-Mitglied Trienekens spendet den Christlichen genauso wie der SPD

Bei seinen Kunden dagegen ist Trienekens als friedfertiger und freundlicher Geschäftspartner bekannt – und vor allem als großzügiger Mensch. Hellmut Trienekens ist ein Unternehmer alter Schule. Es macht ihm Spaß, von seinem erworbenen Reichtum abzugeben und Gutes zu tun. Seiner Heimatgemeinde Süchteln schenkt er eine Musikschule. Er spendet für Krankenhäuser, die Arbeiterwohlfahrt und für Museen. Auch seine Unternehmen unterhalten für Imagepflege üppige Etats. Daraus wird etwa jahrelang der mittelmäßig erfolgreiche Krefelder Eishockeyclub, die Pinguine, gesponsert. Und daraus fließen Zuwendungen an die Parteien vor Ort.

CDU-Mitglied Trienekens spendet den Christlichen genauso wie der SPD. Meist liegen die Summen unterhalb der Grenze, ab der die Herkunft genannt werden muss, manchmal jedoch auch im sechsstelligen Bereich. "Landschaftspflege" nennt Hellmut Trienekens diese Geldspritzen für die Ortsparteien.

Längst ist das Müllgeschäft hoch politisiert. Seit den achtziger Jahren taugen die steigenden Müllgebühren zum kommunalen Wahlkampfthema. Wo immer Deponien eröffnet oder Müllverbrennungsanlagen gebaut werden sollen, schließen sich die Bürger zum Protest zusammen. Mögen die Politiker in Trienekens den Partner in der Müllentsorgung sehen – für die Bürger im Rheinland ist er einer, der mit dem Müll die Umwelt verschandelt und damit auch noch viel Geld verdient. Wer in einem solchen politischen Klima gute Geschäfte machen will, braucht den kurzen Draht in die Rathäuser, die richtigen Ansprechpartner für seine Lobbyarbeit. Er muss wissen, was hinter den Kulissen der Kommunalpolitik vor sich geht.

Hellmut Trienekens schließt einen Beratervertrag mit Karl Wienand ab. Der umstrittene Politiker, der schon Herbert Wehner als Mann fürs Grobe diente, verfügt auch nach seinem Rückzug aus der Bundespolitik über beste Beziehungen, vor allem in die Gremien der nordrhein-westfälischen SPD. Als Berater der anderen politischen Couleur engagiert Trienekens den ehemaligen CDU-Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag und Bundestagsabgeordneten Bernhard Worms.

Die beiden Politiker bleiben nicht die Einzigen, die dem Entsorgungsunternehmer für gutes Geld mit Rat und Verbindungen zur Seite stehen. Wie der Medienunternehmer Leo Kirch im Großen, so beginnt Hellmut Trienekens in seinem zunächst noch regional begrenzten Markt, sich den Sachverstand von Politikern, von ehemaligen Beamten und von ehemaligen und aktiven Managern privatisierter Müllbetriebe zu kaufen. In Form von Beraterverträgen, Provisionen oder auch Prämien. Ein heikles Thema.

Wer darüber mit Trienekens sprechen will, findet sich in einem Gespräch mit seinen drei Verteidigern wieder. Und erfährt dort, dass Trienekens sich seine Berater zum größten Teil gar nicht selbst ausgesucht habe. "Die Beraterverträge sind Herrn Trienekens mehrheitlich von der Politik nahe gelegt worden", formuliert sein Wirtschaftsanwalt Heinz-Udo Bohnes, "aus parteiinternen Gründen, die wir nicht immer kennen." Hat Hellmut Trienekens einer kommunalen Bettelarmee gegenübergestanden, die ihn um Nebenjobs bedrängte? So weit will der Anwalt nicht gehen: "Er hat sich nicht bedrängt gefühlt."

"Der Hellmut hat geflennt wie ein Schlosshund"

Es ist nicht überliefert, ob Trienekens jemals abgelehnt hat. Die RWE AG, die ihm nach seiner Verhaftung auch den Rest seines Unternehmens abkaufte und den Namen Trienekens aus ihrem Entsorgungsgeschäft tilgte, erstritt in diesem Jahr eine deutliche Rückzahlung auf den Kaufpreis. Dabei ist die Rede von einem Betrag in zweistelliger Millionenhöhe: wegen zahlreicher Beraterverträge, deren wirtschaftlichen Sinn sich der Konzern heute nicht mehr erklären kann. Diese Verträge sind auf einer geheimen Liste festgehalten, die dem Vernehmen nach 187 Seiten umfassen soll. Bekannt geworden sind zum Beispiel in Köln Geldflüsse zu zwei Ratsmitgliedern, einem ehemaligen Umweltdezernenten und sämtlichen Geschäftsführern der beiden privatisierten Abfallgesellschaften.

Selbst wenn diese Geschäfte im Einzelfall nicht strafbar sein sollten: Die Bürger dürfen sich fragen, ob all den Trienekens-Beratern, die im Dienste der Kommune an Geschäften mit der Trienekens-Unternehmensgruppe mitwirkten, das Wohl der Bürger wirklich noch näher lag als der Gedanke an lukrative Geschäftsbeziehungen.

Tatsächlich werden Hellmut Trienekens in all den Jahren vonseiten der Mehrheit des Kölner Rates keine Steine in den Weg gelegt. Ohne Ausschreibung wird er als privater Partner für die zu bauende Müllverbrennungsanlage ins Boot geholt. Er versteht es meisterhaft, an solchen Geschäften gleich mehrfach zu verdienen. Als Mitbesitzer wird er von den Gewinnen der Anlage profitieren. Doch er verdient bereits an deren Bau. Rund 13 Millionen Mark für Ingenieurleistungen stellt die Trienekens-Tochter UTG der Müllofengesellschaft in Rechnung. Nach der Fertigstellung der Verbrennungsanlage wird auch der rund 20 Millionen Mark schwere Wartungsvertrag an eine Trienekens-Tochtergesellschaft vergeben. Zudem verdient Trienekens als Lieferant von Müll. Schon 1999, im zweiten Betriebsjahr, verbrennt er rund 100000 Tonnen in der Kölner Anlage – im Schnitt zu einem Viertel des Preises, der den Kölner Bürgern berechnet wurde.

So werden aus guten Geschäften unverschämt gute Geschäfte.

Am Ende hat Hellmut Trienekens fast 5000 Menschen Arbeit gegeben. Die Leute lieben ihren Chef – weil er sich persönlich kümmert. Ein langjähriger Arbeitnehmervertreter, nennen wir ihn Peter Meier, spricht noch heute begeistert vom Betriebsklima. "Es hat mich immer gewundert, welchen Status wir als Betriebsräte hatten", erzählt er. Zusagen hinter dem Rücken des Personalchefs seien durchaus üblich gewesen. Hellmut Trienekens schuf gern Arbeitsplätze. Entlassungen waren die Ausnahme – und gingen ihm sichtlich ans Gemüt. Peter Meier erinnert sich an eine Krisensitzung, als 1993 das Duale System vor dem Zusammenbruch stand und über Kündigungen entschieden werden musste. "Der Hellmut saß in der Sitzung und hat geflennt wie ein Schlosshund", sagt Meier, "das muss man sich mal vorstellen. So ein stattlicher Mann!"

Trienekens wird allgemein "der Hellmut" genannt und pflegt sein Image als Chef zum Anfassen. Jeder "seiner Leute" kann davon Geschichten erzählen. Zum Beispiel Rudi Wilms, der seinen wirklichen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Ende der siebziger Jahre hat er in dem Unternehmen angefangen. "Besonders uns Müllwerker hat er geschätzt, weil wir die Knochenarbeit machen", sagt Wilms und erzählt von dem Eklat, als eines Tages ein Verwaltungsmitarbeiter auf dem Fuhrhof einen Müllwerker nicht zurückgrüßte. "Das ist dann fast bis zur Entlassung gegangen."

"Das Ganze ist ja ein Kartell", sagen die Sonderermittler

Als stellvertretender Leiter der Sonderermittlungsgruppe der nordrhein-westfälischen Landesregierung hat Hans-Georg Klein zusammengetragen, was sich anhand von Akten und Zeugenaussagen über die Verflechtungen in der Müllwirtschaft des Landes finden ließ – und stieß dort immer wieder auf den Namen Trienekens. Die Ermittler werteten die Terminkalender des Unternehmers aus. Sie hefteten große Papierbögen an die Wand und versuchten in Form von weitverzweigten Organigrammen zu ordnen, was nicht mehr überschaubar ist. "Das Ganze ist ja ein Kartell", urteilt Klein. "Die Kommunen werden von Rechtsanwälten und Ingenieurbüros beraten. Dass diese Fachleute gleichzeitig von den anbietenden Unternehmen bezahlt werden, davon weiß die Kommune offiziell nichts."

Unter anderem haben sich die Sonderermittler ein Bild gemacht von der Privatisierung der Müllverbrennungsanlage im Märkischen Kreis 1991. Abgesehen von den kommunalen Auftraggebern, waren demnach alle Beteiligten mit dem Hause Trienekens verbunden. Eine Beratungsgesellschaft, an der Trienekens beteiligt war, schlug den Politikern in Iserlohn für die Privatisierung einen Gutachter vor – der auch mit Trienekens geschäftlich verbunden war. Die juristische Beratung der Kommunen übernahm ein Rechtsanwalt aus Bonn, der ebenfalls von Trienekens Honorare bezog. Bei der anschließenden Ausschreibung machte eine Bietergemeinschaft das Rennen, an der Trienekens beteiligt war. Die Ermittler stellten fest, "dass der Entsorgungskonzern T. durch den gezielten Einsatz von Beratern, Rechtsanwälten und Sachverständigen Entscheidungen beim Märkischen Kreis zugunsten einer Konzerntochter beeinflusst hat". Zudem hegen sie den Verdacht, dass das Ganze von einer Spende im Kommunalwahlkampf flankiert wurde.

Der Absturz des Hellmut Trienekens beginnt im Jahre 2001 mit Ermittlungen, die ihn zunächst gar nicht betreffen. Bei der Staatsanwaltschaft Köln geht eine anonyme Anzeige ein: Beim Bau der Kölner Müllverbrennungsanlage habe der Geschäftsführer der Müllofengesellschaft Schmiergeld kassiert. Bald merken die Ermittler, dass sie in ein Wespennest gestochen haben. Aufgeschreckt von den Durchsuchungen und Befragungen, erscheint eines Morgens der Fraktionsführer der Kölner SPD, Norbert Rüther, bei der Staatsanwaltschaft und gibt in stundenlangen Aussagen preis, wie er die Kassen der Partei mit gestückelten Großspenden gefüllt hat – unter anderem von Hellmut Trienekens. Was das mit der Korruption beim Bau der Müllverbrennungsanlage zu tun hat, bleibt bis heute im Dunkeln.

Der Skandal zeigt die ganze Absurdität des Müllgeschäfts

Mit Rüthers Aussage jedoch gewinnt die Sache politische Brisanz. Der "Kölner Spendenskandal" macht Schlagzeilen. Die beiden Affären – die eine um gestückelte Parteispenden und die andere um die Korruption beim Bau der MVA – verknüpfen sich zu einer einzigen, die sich immer schneller ausweitet. Nun steht der großzügige Hellmut Trienekens im Verdacht, selbst Schmiergeld angenommen zu haben. Und bald gerät sein bislang guter Name völlig in Verruf: Die Staatsanwaltschaften ermitteln wegen Bestechung und Untreue – in Dutzenden von Fällen.

Am 13. Juni 2002 wird Trienekens verhaftet. Nach rund vier Wochen Untersuchungshaft im Gefängniskrankenhaus Fröndenberg erreichen die Anwälte seine Freilassung – gegen die rekordverdächtige Kaution von 100 Millionen Euro.

Bis heute sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Wuppertal Mitarbeitern der Müllverbrennungsanlage in Oberhausen Untreue und Bestechlichkeit vorwirft. Sie sollen Verträge im Nachhinein zugunsten von Trienekens-Unternehmen abgeändert haben. Weitere Durchsuchungen zu Beginn des Jahres zielten auf Bestechungsvorwürfe um die Müllverbrennungsanlage in Krefeld.

Trienekens Verteidiger sind derzeit mit rund zehn Verfahren beschäftigt, die sich entweder gegen ihren Mandanten selbst richten oder gegen Personen, die nach der Meinung der Staatsanwaltschaft von ihm bestochen worden sein sollen. Tatsächlich dürfte die Zahl der Ermittlungsverfahren deutlich größer sein.

Bislang hat Hellmut Trienekens nur wegen Steuerhinterziehung vor Gericht gestanden. Im Kölner Prozess um die Müllverbrennungsanlage, bei deren Bau er nach eigenem Geständnis Schmiergeld angenommen hat, wurde sein Verfahren abgetrennt – aus gesundheitlichen Gründen. Jetzt kam überraschend die Nachricht, dass der Prozess vor dem Kölner Landgericht nun doch am 7. September dieses Jahres eröffnet werden soll.

Dass Trienekens sich trotz ärztlicher Atteste bereit erklärt, vor Gericht zu erscheinen, dürfte eher mit einem anderen Verfahren zu tun haben. Seit Monaten versucht die Staatsanwaltschaft Bonn, den ehemaligen Müllunternehmer wegen Bestechung anzuklagen.

Der zweite Beteiligte an diesem Fall ist Karl-Heinz Meys. Der ehemalige Geschäftsführer der RSAG, der Abfallgesellschaft des Rhein-Sieg-Kreises, ist im Dezember des vergangenen Jahres vom Landgericht Bonn für die Annahme von insgesamt mindestens 2,85 Millionen Mark Trienekens-Schmiergeldern zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt worden.

Obwohl das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, dürfte Trienekens im Falle einer Verurteilung in Bonn eine deutlich höhere Strafe erwarten als in dem Kölner Gerichtsverfahren, dem er sich nun stellt.

Die Geschichte hinter dem Bonner Bestechungsverfahren gibt einen typischen Einblick in die Absurdität des Müllgeschäfts. Jahrelang verhandelte der Rhein-Sieg-Kreis mit der Stadt Bonn, um seinen Müll in der schlecht ausgelasteten Bonner MVA zu verbrennen. Jahrelang konnte man sich über den Preis nicht einigen. Am Ende schrieb der Rhein-Sieg-Kreis die Müllentsorgung aus. Den Zuschlag erhielt Hellmut Trienekens, und der ließ den Müll dann verbrennen – in Bonn. Zu einem deutlich niedrigeren Preis, als der Rhein-Sieg-Kreis direkt hätte zahlen sollen.

Der Nachweis der Bestechung ist in solchen Fällen schwierig. Denn grundsätzlich ist es Kommunalpolitikern erlaubt, mittels Beraterverträgen ein Zubrot zu verdienen. Auch den Managern der ehemals kommunalen Betriebe kann man – ein Nebeneffekt der Privatisierung – die Annahme von Nebenjobs nicht grundsätzlich verbieten. Beim Verdacht der Bestechung muss die Staatsanwaltschaft den Zusammenhang zwischen Geldfluss und Gegenleistung eindeutig belegen. Das fällt schon deshalb schwer, weil Hellmut Trienekens Honorare und Prämien wie aus einem Füllhorn über die Landschaft gegossen hat. So stehen auch nach drei Jahren Ermittlungen für Trienekens die Chancen gut, in Sachen Bestechung straffrei auszugehen.

Was bleibt, ist ein unverstellter Blick auf die kommunale Wirklichkeit. Überall im Land haben Personen über Geschäfte für Trienekens entschieden, die anderweitig finanziell mit ihm verbunden waren. Überall sind Beraterverträge – nicht nur mit Trienekens – eine beliebte Finanzspritze.

Die Vorstellung von kommunaler Demokratie, in der gewählte Vertreter und von ihnen eingestellte Fachleute unabhängig und mit festem Blick auf das Wohl der Bürger über deren Belange und die Verwendung ihrer Steuermittel und Gebühren entscheiden, ist im Lichte des Falls Trienekens nicht mehr als eine Illusion.

Als Hellmut Trienekens 2002 sein Entsorgungsgeschäft verkaufen musste, stand das eigentlich lukrative Geschäft mit den Müllverbrennungsanlagen noch bevor. Wenn von Mitte dieses Jahres an die Deponien keinen unbehandelten Müll mehr annehmen dürfen, wird sich mit der Müllverbrennung nochmals mehr Geld machen lassen.

Doch schon der Unternehmer Trienekens hat seinen Schnitt gemacht. Sein Vermögen wird auf bis zu 500 Millionen Euro geschätzt.

Die ihn kennen, sagen, dass ihn das nicht tröstet. Die RWE AG hat "sein" Unternehmen im Oktober vergangenen Jahres in großen Teilen verkauft: ausgerechnet an den Entsorgungsunternehmer Rethmann – seinen Erzfeind.