rom Kein neues Zeichen

In Rom und in den Fußballstadien Italiens wurde am Wochenende eindrucksvoll für die Freilassung der Journalistin Giuliana Sgrena demonstriert. Die italienische Regierung vermutet unterdessen, dass ihre Geiselnehmer auch politische Forderungen stellen könnten

Nach der Großdemonstration mit fast 500.000 Menschen, die am vergangenen Samstag in Rom die Befreiung von Giuliana Sgrena und der französischen Reporterin Florence Aubenas gefordert hatten, wartet die italienische Regierung auf ein neues Zeichen der Entführer. Bislang sind offensichtlich noch keine Lösegeldforderungen eingegangen. In Rom geht man davon aus, dass die Geiselnehmer auch politische Forderungen stellen könnten.

In einem am Mittwoch verbreiteten Video hatten die "Mudschaheddin ohne Grenzen" ihre Gefangene Giuliana Sgrena den Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak verlangen lassen. Ein Ultimatum wurde nicht gesetzt. Am Tag nach der Ausstrahlung des Videos verabschiedete der Senat in Rom ein Gesetzesdekret zur Neufinanzierung des Kontingents im Irak. "Die Regierung hat uns versichert, dass alles getan wird, um Kontakte zur Befreiung Giulianas herzustellen und dass alle Kanäle offen sind", erklärte der Vater der entführten Journalistin, Franco Sgrena, am Sonntag nach einem Treffen mit dem Verantwortlichen des Krisenstabes.

Die Demonstration unter dem Motto "Lasst Giuliana und Florence frei" war vollkommen friedlich verlaufen. Ein Schweigemarsch zog sich, angeführt von Giuliana Sgrenas Angehörigen und Kollegen, vom Bahnhof Termini bis zum Circus Maximus drei Kilometer lang durch die römische Innenstadt. Zwar nahmen Politiker wie der Führer der Mitte-Links-Opposition Romano Prodi, der Vorsitzende der Linksdemokraten Piero Fassino sowie Vertreter der Kommunisten aber auch einige Abgeordnete der Regierungsparteien an der Demonstration teil, doch sprachen sie nicht bei der Abschlusskundgebung. Neben vielen Regenbogenfahnen der Friedensbewegung waren nur vereinzelt politische Spruchbänder zu sehen.

Die im Vorfeld des Marsches geäußerte Einschätzung, die Veranstaltung für Giuliana Sgrena könne sich zu einer Demonstration gegen die Irak-Politik der Berlusconi-Regierung auswachsen, erfüllte sich nicht. Dennoch kritisierte die regierungsnahe Presse sowie der Koordinator der Berlusconi-Bewegung "Forza Italia", Sandro Bondi, die Veranstaltung als politisch instrumentalisiert. Über die Demonstration in Rom berichtete auch der arabische Sender al-Dschasira.

Am Wochenende war auf Initiative der italienischen Fußballliga auch in allen Stadien die Befreiung Sgrenas gefordert worden. Die Sportsendungen im Staatsfernsehen RAI eröffneten mit dem Foto der entführten Journalistin. Sämtliche Kapitäne der Erstligamannschaften trugen bei ihrem Einzug auf die Spielfelder ein T-Shirt mit der Aufschrift "Lasst Giuliana frei." Der Kapitän von Juventus Turin, Alessandro Del Piero, erklärte in einem Zeitungsinterview: "Wenn ich nicht Fußball spielen müsste, wäre ich zur Demonstration in Rom gefahren."

 
  • Serie sgrena
  • Quelle (c) ZEIT.de
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service