Jedes Mal, wenn die Filmemacherin Doris Dörrie eine Oper inszeniert, erzählt sie vorab, dass sie eigentlich gar keine Ahnung von Oper habe. Das ist natürlich Koketterie. Aber sie sagt es so überzeugend, dass sie womöglich selbst daran glaubt, eine gute Portion Ahnungslosigkeit könne der geschraubten Insiderkunstform Oper nur gut tun. Die Intendanten jedenfalls, so sagt sie, hätten immer auf den frischen Blick von ihr gehofft. So war es in Berlin, als sie Così fan tutte und Turandot inszenierte, so ist es nun auch bei ihrem neuen Rigoletto an der Bayerischen Staatsoper in München. Wenn Doris Dörrie frisch auf eine Repertoire-Oper blickt, haben die Ausstatter viel zu tun. Bei Rigoletto fand sie, dass der Kinoklassiker Planet der Affen einen guten optischen Rahmen für das Stück abgeben würde. Der Narr und seine Tochter Gilda seien die Menschen, die es auf den unbekannten Planeten verschlagen habe, und die zynische Hofgesellschaft um den Herzog könne man sich als hinterhältige Affenhorde vorstellen. Also hat sie ein funkelndes Weltallpanorama als Bühnenhintergrund konzipieren lassen, an dem die Planeten vorbeiziehen wie an einem Raumschiff bei langsamer Fahrt. Sie hat einen schwarzen Affenfelsen aus düsteren Zivilisationsruinen in den leeren Raum geklotzt und für Rigoletto und Gilda ein Campingzelt als Heimstatt aufgeschlagen. Fertig ist das Stück. Auch die plastikbunten Farben, die sie beim Opernmachen so liebt, tauchen im zweiten Akt auf - poppiges Rosa und Hellblau, silberne Riesenlogos, die blinkend vom Schnürboden herabhängen - der Herzog verführt Gilda in einem dekorativen Louis-Vuitton-Koffer in Autogaragengröße. Der frische Blick von Doris Dörrie erschöpft sich in Überformaten, Bildtotalen und Special Effects. Der Rest ist Chorgewusel und breitbeinige Rampensingerei. Die Affenhorde macht, was Affen eben so machen - die Arme durch die Luft werfen und die rosa Hinterteile in die Luft recken.

Rigoletto (Mark Delavan) tappt in seinem Astronautenanzug so temperamentlos und ungelenk wie ein Michelin-Männchen durch den Abend. Der als Herzog angekündigte Startenor Ramon Vargas war schon vor der Premiere abgereist wegen einer Haarallergie - die Affenkostüme machten ihm zu schaffen. Vom eingesprungenen Tito Beltrán wurde er musikalisch respektabel ersetzt. Die Regie lässt die Sänger im Stich, und Zubin Mehta bremst sie mit seinen breiten Tempi. Mitunter machte er es sich im Verdi-Klang gemütlich wie auf einem durchgelegenen Sofa. Nur Diana Damrau als Gilda war ein Lichtblick: So viel Gold in der Stimme hört man selten.