Früher war der Job angenehmer. Heute haben Diktatoren in erster Linie Ärger. Für Baschar al-Assad, den Präsidenten von Syrien, waren die zehn Tage, die seit der Ermordung des ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafiq al-Hariri durch eine Autobombe in Beirut vergangen sind, nicht erfreulich. Alle hacken auf ihn ein.

Und so können die Leser der Tageszeitung al-Hayat in diesen Tagen schon Tipps abgeben: Hält Assad durch, oder knickt er ein? "Wird Syrien die Bedingungen der UN-Resolution 1559 erfüllen und seine Armee sofort und restlos aus dem Libanon abziehen?", lautet die Frage, die im Internet zur Abstimmung steht. Die meisten arabischen Kandidaten konnte Washington bereits von seiner Schurkenliste streichen: Saddam Hussein ist gefangen, Muammar al-Gadhafi gezähmt. Jetzt scheint Baschar al-Assad an der Reihe zu sein.

"Die Syrer sind in einer schwierigen Situation", fasst Marc Otte zusammen. Der EU-Nahostgesandte traf vorvergangene Woche – noch bevor die Bombe in Beirut explodierte – mit dem syrischen Präsidenten zusammen. Baschar al-Assad, der 39-jährige Augenarzt, der vor fünf Jahren die Amtsgeschäfte von seinem Vater, dem Langzeitdiktator Hafis al-Assad, erbte, sei freundlich und offen gewesen. Wie immer. Dennoch habe man gespürt, dass er unter Druck stand, und dieser habe ihn wohl dazu bewogen, Marc Otte eine Botschaft mit auf den Weg zu geben. "Er betonte, dass Syrien bereit sei, ohne Vorbedingungen die Friedensgespräche mit Israel wieder aufzunehmen", berichtet der Diplomat.

Im Jahr 2000 waren die Verhandlungen über Israels Abzug von den Golanhöhen gescheitert. Kurz darauf vernichtete der Ausbruch der Al-Aksa-Intifada jede Hoffnung auf Gespräche. Nun bietet Assad an, den Friedensfaden wieder aufzunehmen.

Doch kaum hatten die Agenturen diese Nachricht verbreitet, wurde sie von den Eilmeldungen aus Beirut verdrängt: Rafiq al-Hariri ermordet! Sofort zeigten die Finger der libanesischen Opposition nach Damaskus. "Wissen Sie, für die libanesische Opposition sind wir an allem schuld. Die würden uns sogar für den Tsunami verantwortlich machen", erklärte der syrische Informationsminister in einem Gespräch mit dem Satellitensender al-Dschasira am selben Abend.

Da war den Syrern noch nach Scherzen zumute. Inzwischen haben die USA ihre Botschafterin aus Damaskus abgezogen, und in Washington denkt man über weitere Sanktionen gegen Syrien nach. Seit knapp einem Jahr ist bereits ein Handelsembargo in Kraft. "Syrien muss sich aus dem Libanon zurückziehen", rief Präsident Bush bei seiner Grundsatzrede zum Auftakt des Europabesuchs in Richtung Damaskus. Die USA zögern, Syrien eine direkte Beteiligung an dem Mord von Beirut zuzuschieben. Vielmehr unterstütze Syrien den Terrorismus in der Region. Besonders unangenehm für die USA: Über Syrien reisen viele der arabischen Freiwilligen ein, die im Irak gegen die US-Truppen kämpfen.

Syriens freundliche Haltung gegenüber der libanesischen Hisbollah ist Washington ebenfalls ein Dorn im Auge. Die Hisbollah, halb Partei und Wohlfahrtsorganisation, halb anti-israelischer Kampfverband, gilt als Stolperstein auf dem Weg zu einem Frieden zwischen Israelis und Palästinensern. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah will von einem Waffenstillstand nichts wissen. Auch vonseiten der EU ist der Wind schärfer geworden. Brüssel fordert eine unabhängige Untersuchung des Todes von Hariri und Respekt vor der libanesischen Souveränität.