Als der Galerist Torsten Bröhan Mitte der achtziger Jahre auf der Westdeutschen Kunstmesse einen Stahlrohrstuhl von Marcel Breuer auf einen Sockel stellte, waren die konservativen Ausstellerkollegen mehr als entsetzt. Ein industriell gefertigtes Möbel könne doch kein Kunstwerk sein, hieß es damals. Heute hingegen begreift man es längst als Selbstverständlichkeit: Design ist als eigenständige Kunstform anerkannt und zu einem gefragten Sammelgebiet geworden.

Torsten Bröhan war immer schon seiner Zeit voraus, ebenso wie sein Vater Karl H. Bröhan, ein Pionier systematischen Sammelns angewandter Kunst von Jugendstil, Art déco und Funktionalismus zwischen 1889 bis 1939. Anlässlich seines 60. Geburtstages im Jahr 1981 schenkte er seine bedeutende Sammlung der Stadt Berlin, die ihr im Ensemble des Charlottenburger Schlosses das Bröhan-Museum einrichtete.

Sein Sohn fand bereits als Jugendlicher Gefallen an den Sammelaktivitäten im Elternhaus und setzte sie mit einer Vorliebe für puristische Formen der Wiener Werkstätte und des Bauhauses auf seine Weise fort. Der Betriebswirt, Naturwissenschaftler und Kunsthistoriker arbeitete als Manager, Galerist, Kunstberater für Museen, Messen und Unternehmen. Nun, am 8. März, lässt er die dritte Tranche seiner weltbekannten Sammlung von Design des 20.

Jahrhunderts bei Sotheby's in London versteigern. Und wiederum ist klar: Er will etwas verändern.

Mit dem zu erwartenden Erlös von rund einer Million Euro für Ikonen der Moderne sowie für Schmuck und Glas des Jugendstils soll seine Bröhan Design Foundation finanzielle Schubkraft bekommen. Das Wissen um die Inhalte und deren Vermittlung stehen in Zukunft mehr im Vordergrund als der persönliche Besitz und die Freude am Erwerb, sagt Bröhan, der nach Jahren in den USA seit 2002 wieder in Berlin lebt.

Er war der Initiator des bei der DG Bank aufgelegten Global Art Fund.

Anderthalb Jahre lang konnte man in seinem virtuellen Design Museum mit Links zu bedeutenden Archiven surfen und forschen. Wenn auch diese Unternehmung nur bis zum Jahr 2000 im Netz blieb, so verfolgt Bröhan mit seiner Stiftung doch weiter den Plan, eine Online-Plattform zur Entstehungsgeschichte des Designs dauerhaft zu etablieren. Vor allem auch aus der Sorge heraus, dass das Wissen darum den zukünftigen Generationen mehr und mehr abhanden kommt. Die Datenbank soll es ermöglichen, jetzt schon aufscheinende erschreckende Bildungslücken zur Genese der Formfindung zwischen 1900 und 2000 zu schließen, Informationen zu vernetzen, führende Forschungsinstitute und Universitäten in aller Welt in einen Wissenspool zusammenzufassen.