Kino Schluss mit dem Glamour-Gewese!Seite 2/2

Natürlich wäre es ein wenig weltfremd, sich den großartigen Issey Ogata auf die Titelseiten der Berlinale-Gazetten zu wünschen. Und natürlich gehört es zu den schönen Epiphanien eines Festivals, wenn Hollywood-Wesen auf den roten Teppich hinabsteigen, um unter dem Blitzlichtgewitter der Fotografen die immer gleichen und doch immer wieder faszinierenden Bilder ihrer eigenen Bildwerdung zu produzieren. Aber kann es angehen, dass das Ausbleiben von Nick Nolte, der in einem mäßigen Ruanda-Film eine eher peinliche Nebenrolle spielt, von den Medien über Tage hinweg mit einer Ernsthaftigkeit diskutiert wird, als handle es sich um einen geplatzten Papst- oder Präsidentenbesuch?

Parasitärer Eventjournalismus und scheinheilige Stardiskussionen

Und läuft nicht etwas sehr Grundsätzliches schief, wenn sich ein Festivaldirektor Clint Eastwoods Film Million Dollar Baby entgehen lässt, weil der in Los Angeles bereits um die Oscars werbende Regisseur sein Werk nicht persönlich nach Berlin begleiten mochte? Tatsächlich hätte man den Film einladen und den Produktionsfahrer und ein Script-Girl über den roten Teppich schicken sollen. Real glamour findet auf der Leinwand statt. Oder, um es mit Robert Altman zu sagen: »Der wahre Körper des Stars besteht aus Zelluloid.«

Im Profilierungsduell der großen Festivals hat die Berlinale nur eine Chance, wenn sie ganz offensiv auf die Filme setzt. Wenn sie sich vom parasitären Eventjournalismus, von kindisch am Image des Festivals vorbei zielenden Sponsorenforderungen, aber auch von den scheinheiligen Stardiskussionen der so genannten seriösen Presse emanzipiert. Es mag sich paradox anhören, aber nur wenn das Festival souverän auf seiner filmästhetischen Kompetenz beharrt, kann es auch im Glamourgewese selbstbewusst mitmischen, ohne sich erpressbar zu machen.

Vielleicht könnten die 56. Filmfestspiele eine Art Klausur und festivalpolitisches Experiment markieren. Vielleicht sollte man einfach nur einladen, was gefällt. Ohne Kompromisse, Geschacher und schale Diplomatie. Ohne Event-Rhetorik und zwanghaft konstruierte Schwerpunkte. Womöglich wäre die Stimmung gar nicht schlecht. Womöglich wäre es eine ganz entspannte, angenehme und nicht einmal unglamouröse Berlinale.

 
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