Es war im vergangenen Advent. Der größte Arzneikonzern der Welt verschickte Weihnachtsgebäck, rautenförmig mit Viagra-blauer Zuckerglasur.

Gleichzeitig erkundigte sich eine PR-Dame im Auftrag von Pfizer, ob das weltberühmte Potenzmittel nicht mal wieder eine Geschichte wert sei. Bei Nachfragen stünde sie gern zur Verfügung.

Fragen gab es zu dieser Zeit viele, doch ganz andere, als den großen Konzernen lieb war. Statt mit ihren Pillen zu glänzen, mussten sie sich in Preis- und Sicherheitsdebatten rechtfertigen. Der Viagra-Hersteller zum Beispiel stritt mit deutschen Gesundheitspolitikern um die Erstattung seines Cholesterinsenkers Sortis - Pfizer weigert sich, den Preis auf die neue Erstattungsgrenze zu senken. Kurz vorher hatte unter Herzpatienten eine Hiobsbotschaft für Unruhe gesorgt. Infarktgefahr durch Schmerzmittel! Der Konzern Merck & Co aus den USA nahm sein Medikament Vioxx vom Markt. Eine gesamte Substanzklasse geriet in Verdacht, die Branche unter Beschuss. Die Aktienkurse fielen.

Februar 2005. Das neue Jahr bringt neue Hoffnung. Die Gesundheitsbehörden in Amerika und Europa haben die umstrittenen Schmerzmittel unter die Lupe genommen - und sich mit einer Warnung auf dem Beipackzettel zufrieden gegeben. Pfizer und Boehringer Ingelheim können ihre Pillen weiter verkaufen, und Merck darf sogar Vioxx wieder auf den Markt bringen.

Plötzlich scheint es auch im ewigen Preisstreit zwischen Politik und Pharmaindustrie einen Königsweg zu geben: Generika. Am Wochenende unterzeichnete der Schweizer Pharmariese Novartis den Kaufvertrag für Hexal.

Zusammen mit dem Holzkirchener Hersteller will Novartis der weltgrößte Anbieter von Nachahmerprodukten werden. Auch andere Konzerne erwärmen sich plötzlich für Billigprodukte. Die Arzneiaktien machen einen Freudensprung.

Sicherheitsbedenken ausgeräumt. Preispolitik auf neuen Wegen. Börse besänftigt. Ist die Welt jetzt wieder in Ordnung?