Manchmal fliegen unglaublich schnelle Wuchtgeschosse durchs All: Neutronensterne, die mit mehreren Millionen Kilometern pro Stunde über den Himmel rasen. Dabei sind diese Kugeln extrem kompakt, nur etwa zwanzig Kilometer groß, aber bis zu dreimal schwerer als unsere Sonne. Ein Fingerhut von dieser Sternmaterie wiegt etwa eine Milliarde Tonnen. Dagegen ist jede Bleikugel ein federleichtes Flöckchen. Seit langem rätseln Astronomen, warum manche Neutronensterne mit einer solchen Geschwindigkeit fliegen. Forscher des Max-Planck-Instituts für Astrophysik haben für das Phänomen nun eine Erklärung gefunden. Sie simulierten am Computer die Geburt von Neutronensternen. Wenn eine große Sonne mit mehr als der zehnfachen Masse unseres Zentralgestirns an das Ende seiner Leuchtkarriere kommt, dann führt dies zu einer gigantischen Explosion, einer so genannten Supernova. Hierbei stürzt der rund tausend Kilometer große innere Teil des alten Sterns unter seiner eigenen Schwerkraft in sich zusammen und bildet den kompakten Neutronenstern. Der Großteil der alten Sternenmasse steckt jedoch in der äußeren Hülle und wird bei der Supernova-Explosion ins All geschleudert. Der Riesenknall verläuft meist nicht kugelsymmetrisch, wie die vier Simulationen zeigen. Beim Kollaps der Sterne bilden sich offenbar Strömungsinstabilitäten, die aus kleinen, zufälligen Störungen entstehen und sich massiv aufschaukeln können. Je nach Verlauf bekommt die Kugelform Schlagseite, entwickelt gar ein Schmetterlingsbild oder eine Art Schusskanal. Dabei fliegt ausgeschleuderte Materie unterschiedlich schnell in verschiedene Richtungen. Der punktförmige Neutronenstern (Mitte) kann daher durch einen bombigen Rückstoß in Sekunden auf über drei Millionen km/h beschleunigt werden.