Rot sei die Farbe des Optimismus, Schwarz die Farbe der Miesepeter, verkündete SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter. Mit der Kieler Wahl sei der Höhenflug von Angela Merkel beendet. Doch der von Rot-Grün ist es erst recht. In Schleswig-Holstein hat die SPD nicht nur die Regierungsmehrheit verloren, sondern auch die Hoffnung, man könne sich auf Bundesebene bis zum Wahlsieg durchwursteln.

Im Willy-Brandt-Haus zeigte sich am Montag ein verschnupfter Kanzler. Gerhard Schröder war von der Niederlage ebenso überrascht worden wie der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering. Ratlos wurde im Präsidium der Partei nach Ursachen geforscht. Vor allem ältere Wähler und Arbeiter, das wiesen die Zahlen der Umfrage-Institute aus, hat es weg von den Sozialdemokraten und hin zur CDU gezogen. Möglicherweise, so heißt es nun in der SPD, seien diese von der Visa-Affäre um Außenminister Joschka Fischer vergrault worden, nach dem Motto: Fünf Millionen Arbeitslose, und Rot-Grün lässt auch noch Schwarzarbeiter ins Land.

Demoskopische Belege dafür gibt es zwar nicht. Aber die näherliegende Deutung wäre für die SPD möglicherweise noch unangenehmer: Zum einen verweigert sich ein Teil der enttäuschten Stammwähler hartnäckiger als vermutet. Zum anderen vermissen die Bürger bei der SPD überzeugende neue Vorschläge zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Der Verweis darauf, dass es sich bei der Steigerung der Arbeitslosenzahlen auf über fünf Millionen um einen statistischen Effekt der Hartz-Reform handelt, verfängt nicht.

In der Abwägung zwischen dem Risiko, ihre Stammwähler durch weitere Wirtschafts- und Sozialreformen noch mehr zu verunsichern oder sich dem Vorwurf der Untätigkeit auszusetzen, hatten Schröder und Müntefering ihr Heil bislang auf Nebenschauplätzen gesucht - oder sich in die Übernächstenliebe und eine neue Weltinnenpolitik geflüchtet, die aber rhetorisch blieb.

Zuwarten wird wohl nicht ausreichen, heißt es jetzt nachdenklich im Kanzleramt und Teilen der SPD-Fraktion. Eine Politik der ruhigen Hand könne es nicht geben, aber auch nichts, was nach Panikreaktion aussieht - irgendetwas dazwischen wird nun gesucht. Franz Müntefering ist zwar skeptisch, dass neue Maßnahmen schnelle Erfolge bringen können. Doch der Druck auf die Regierung steigt - und zwar von zwei Seiten. Während Wirtschaftsminister Wolfgang Clement die Steuern für Unternehmen senken will, drängen andere auf Lockerungen der Hartz-IV-Bestimmungen. Ob er die Umsetzung von Hartz IV nicht irgendwie anders organisieren könne, wurde Clement im Präsidium gefragt.

In der Broschüre zu ihrer Programmdebatte gibt die SPD Tipps zu der Frage: Wie organisiert man eine spannende Debatte? Erst, so wird empfohlen, wird der Film 140 Jahre SPD gezeigt. Sodann sind aus dem Publikum drei bis fünf Meinungen einzuholen. Vor der eigentlichen Debatte beginnt alsdann die Murmelphase: Man tauscht sich mit dem Nachbarn über das Gesagte aus und bildet sich eine Meinung.

Nach Schleswig-Holstein, scheint es, sind Schröder und seine Genossen inzwischen in der Murmelphase angelangt. Mit der Dramaturgie hapert es allerdings noch - denn in der Idealvorstellung der SPD kommt die Halbzeitpause erst nach der Murmelphase. Anschließend, so heißt es, startet die Veranstaltung mit neuem Schwung. Das wär doch was.