Irak Wenn das Sektglas leer istSeite 2/2

Der Ministerpräsident Dschafari hat enge Kontakte zu den Mullahs in Teheran. Sollte er der nun zu schreibenden Verfassung einen theokratischen Stempel aufdrücken wollen, wird sie scheitern. Die Kurden ihrerseits haben bereits Forderungen gestellt, die so weit gehen, dass sie de facto ein unabhängiges Land haben werden. Der Irak ist für sie nur mehr eine Hülle für den eigenen Machtanspruch. Die Araber, ob Sunniten oder Schiiten, werden dies kaum akzeptieren. Die Sunniten ihrerseits sind politisch vernichtend geschlagen. Die stärkste im Parlament vertretene sunnitische Partei hat gerade mal 150000 Stimmen erhalten. Wahrscheinlich wird ihre Machtlosigkeit sie weiter in die Gewalt treiben. Das ist das Gesamtbild nach den Wahlen.

Und was macht die andere große, nicht gewählte Partei des Iraks, die USA? Sie kämpft entschlossen, um die Sunniten von den Vorteilen der Demokratie zu überzeugen. Das US-Militär hat eine Offensive gegen die Rebellenhochburg Ramadi begonnen, die Hauptstadt der Provinz Anbar. Diese Kriegsoperation läuft unter fast völligem Ausschluss der Öffentlichkeit ab. 400000 Menschen leben in dieser Stadt, mehrheitlich Sunniten. Die Wahlbeteiligung lag dort bei zwei Prozent. Die Bewohner Ramadis lernen nun eine Lektion der arabischen Demokratie nach US-Fasson: Bei Wahlenthaltung kommt der GI ins Haus.

 
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