Blender, Betrüger, Manipulateure – kaum einen Vorwurf haben die Unternehmerbrüder Thomas und Florian Haffa nicht zu hören bekommen. In etwa hundert Gerichtsverfahren wurde ihnen vorgeworfen, sie hätten in den wilden, rauschhaften Zeiten des Neuen Marktes mit illegalen Tricks gearbeitet. Aber bis auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs, der den Haffas die Veröffentlichung falscher Umsatzzahlen vorhielt, lautete das Ergebnis stets: nicht schuldig.

Ihr früheres Unternehmen EM.TV vertreibt die Fernsehrechte an Kinderserien wie Biene Maja und Tabaluga, vor Jahren gehörten auch die Muppets und Rechte an der Rennserie Formel 1 dazu. Doch vor allem waren und sind die Haffas, ist EM.TV das Symbol für die Fehler der New Economy. Erst im vergangenen Jahr wurde es langsam ruhig um die Brüder – und ruhig um EM.TV.

Vorbei. Kaum hat EM.TV eine mühsame Sanierung hinter sich, kaum kann es mit dem gelungenen Erwerb des Deutschen Sportfernsehens aufwarten, liefert das Unternehmen schon wieder Stoff für einen Wirtschaftskrimi. Dieser führt noch einmal in die Zeit zurück, als EM.TV spektakulär in die Formel 1 einstieg und dieser Deal unter ebenso aufregenden Umständen später scheiterte.

Ende März trifft man sich vor Gericht

Wegen "gravierender Fehler" beim Kauf der Rennserie verklagt der heutige EM.TV-Chef Werner Klatten die Haffas und den früheren Aufsichtsratschef Nickolaus Becker auf 200 Millionen Euro Schadenersatz. Die drei Manager schickten in den vergangenen Tagen ihre Erwiderung auf die Klageschrift und unterdrücken darin nur mühsam ihre Wut. Am 31. März treffen sich die Parteien das erste Mal vor Gericht.

Alles dreht sich um die Fragen: Haben die Haffas das eigene Unternehmen und die Aktionäre geschädigt? Hat der damalige Aufsichtsratschef Becker seine Pflichten verletzt? Wo verläuft die Grenze zwischen Mut und Mutwillen? Was ist riskant, was fahrlässig? Becker sagt, die Klage gegen ihn behaupte, die Haffas und er hätten fahrlässig gehandelt und EM.TV in eine existenzgefährdende Situation gebracht. Das sei "nicht nur ein unbegründeter, sondern auch ein unverfrorener Vorwurf". Denn jahrelang habe EM.TV das Handeln der drei früheren Manager in allen Prozessen "immer einschränkungslos verteidigt".

Damit beschreibt er einen atemberaubenden Sinneswandel bei EM.TV. Und zwar einen, von dem sich Hunderte von Kleinaktionären wohl wünschen werden, er wäre früher gekommen.

Klatten erklärt, die Gesellschaft habe auf der Hauptversammlung des Jahres 2002 versprochen, Ansprüche gegen die früheren Manager prüfen zu lassen. Gutachten, die im November des gleichen Jahres in Auftrag gegeben wurden, seien im Sommer 2004 zu dem Schluss gekommen, dass die Chancen über 50 Prozent lägen, von den Haffas und Becker Schadenersatz zu erlangen. Deshalb habe die Gesellschaft klagen müssen. Andernfalls hätten sich die jetzigen Manager selbst schadenersatzpflichtig gemacht.