Chaligi ist ein hässliches Wort. Der harte Kehllaut am Anfang und das lang gezogene A in der Mitte klingen unangenehm. Die Bedeutung ist dementsprechend. Zumindest in weiten Teilen der arabischen Welt. Chaligi, das heißt so viel wie "vom Golf", vom Arabischen Golf. Und wenn man in Kairo, Damaskus oder Beirut von "Chaligi-Style" spricht, dann ist damit protziger Reichtum und Kitsch, kurz: Geschmacklosigkeit gemeint.

Saudi-Arabien und die kleinen Emirate am Persischen Golf werden von den Menschen in den anderen arabischen Ländern um ihren Reichtum beneidet, hier reist man hin, um als Gastarbeiter Geld zu verdienen und wird dabei oft – so kommt es vielen zumindest vor – schlecht behandelt. Im Sommer, wenn es den Bewohnern der Golfstaaten in ihren Ländern zu heiß ist, bevölkern sie die Hotels in den Innenstädten von Kairo, Casablanca und Beirut. Auch das macht sie nicht sympathischer. Jedes Jahr schreiben ägyptische Zeitungen über Mädchenhandel und Prostitution. So paart sich der Neid auf den ölgegebenen Reichtum mit Verachtung. Der Golf gilt als kulturlos, die Bewohner der Golfstaaten, die "Chaligiin", als arrogant, zurückgeblieben und religiös fanatisch.

"Sie sind erfolgreich, das muss man ihnen lassen", räumt Salma Haddad ein. Die Marketingexpertin, Anfang dreißig und aus dem Libanon stammend, lebt erst seit kurzem in Dubai. Hier hat sie einen Job gefunden, von dem sie in Beirut nur träumen konnte. Der wirtschaftliche Erfolg der Golfemirate hat sie angelockt, so wie auch viele andere junge Menschen aus der arabischen Welt. Es ist ein lauschiger Abend, Salma Haddad schlendert die Plattenwege zwischen den Pavillons der neuen Hotelanlage Medina Jumaira entlang. Dezente Musik schmeichelt dem Ohr, tropische Blüten duften betörend. "Schau dir nur das einmal an!", sagt sie und deutet auf den Swimmingpool. Verlockend glitzert das Wasser. Der Boden des Beckens ist mit winzigen türkis- und lapislazulifarbenen Kacheln ausgelegt. Hier und da schimmert ein Klümpchen echtes Gold im Licht der Unterwasserscheinwerfer.

"Es ist schon Wahnsinn, was die hier aufbauen. Mir kommt es allerdings so vor, als sei es eine richtige Sucht. Die wollen immer das Größte, Teuerste und Schönste. Denk nur einmal an diese künstlichen Inseln, die jetzt vor der Küste ins Meer gebaut werden. Ich glaube, die machen all das, weil sie einen schrecklichen Minderwertigkeitskomplex haben!", sagt Haddad. Die Chaligiin litten darunter, dass sie keine eigene Kultur hätten und diesen Mangel müssten sie mit übertriebenem Protz ausgleichen.

Auf solche Äußerungen reagiert Hischam Madhlum mit einem feinen Lächeln. "Lasst sie reden!", scheinen seine Augen zu sagen. Der Mann in dem fein gebügelten Gewand der arabischen Halbinsel sitzt an seinem Schreibtisch. Der Stuhl ist zu niedrig, doch es scheint ihn nicht zu stören, dass er zu seinen Gästen und auch zu seiner jungen Mitarbeiterin Maissa al-Suwaidi aufschauen muss. Von Chaligi-Arroganz keine Spur. Mister Hischam, wie er genannt wird, ist der Direktor des Kunstmuseums von Schardscha, 20 Autominuten von der Innenstadt von Dubai entfernt. "Sicherlich, wir sind ein junges Land, die Emirate gibt es erst seit gut dreißig Jahren, und auch die bildenden Künste im westlichen Sinne sind bei uns noch nicht so lange bekannt", räumt er ein. "Aber wir geben uns Mühe. In den vergangenen zehn Jahren wurden mehr als dreißig Museen in unserem Land gebaut. Die meisten davon in Schardscha, denn, wissen Sie, wir haben eine Art Arbeitsteilung unter den einzelnen Emiraten", sagt er.

Abu Dhabi, das größte Emirat, in dem auch die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate liegt, kümmere sich um die Politik, Dubai ums Geld und Schardscha habe sich der Kultur verschrieben. Der Emir von Schardscha ist persönlich ein Liebhaber der Künste. Seine private Sammlung – er interessiert sich besonders für die Bilder europäischer Orientalisten, die im 19. Jahrhundert die arabische Welt abgebildet haben – ist in einem Flügel des Museums zu sehen. Der Emir hat auch die erste Kunstakademie am Golf gegründet. In Zusammenarbeit mit der Royal Academy in London werden jetzt in Schardscha Studenten unterrichtet.

Es habe viele Diskussionen gegeben, bevor die Akademie gegründet wurde, berichtet Hischam. "Wir sind ein islamisches Land, und die Menschen in Schardscha hatten Angst: Was wird dort unterrichtet, und was machen die Studenten daraus? Sie müssen bedenken, wir sind erst dabei, uns der Welt zu öffnen. Die Arbeit der Akademie konnte allerdings die Zweifler besänftigen", erklärt er.

Natürlich gibt es an der neuen Kunstakademie kein Aktzeichnen