Das hätte so toll werden können. Denn Harry hatten wir nicht auf der Rechnung gehabt. Helmut, Edmund, Horst und Willy, ja. Urdeutsche Lieblingsnamen. Aber Harry? Kein Wort mit Führungsqualitäten. Assoziationen gab es da schon. Oft aßen wir das beliebte Harry-Brot. Oft sahen wir die Sendung Harry hilft beim Hauptstadt-Fernsehsender TV-Berlin. Und öfter noch holte Harry ganz Deutschland den Wagen. Aber das Brot war pappig, und die Sendung angestrengt niedlich und unerheblich. Und der Wagen war grau. So hatten wir denn das Harrymäßige im klebrig, pappig, niedlich Grauen verortet, wie es uns im Übermaß umgibt und auch in uns selber wohnt. Nie würde es ausbrechen zu Gipfelstürmen. Und dann. Beinahe. Der Ausbruch. Der Wahnsinn. Der Schimmelreiter klopfte an die Tür, der Deichgraf, der Inselvogt. Peter Harry Carstensen. Der Kinnbart mit dem gewissen Extra. Die Hände wie Scheunendrescher. Das Grinsen so weit wie der Himmel über Nordstrand. Einer von uns, ein Harry wie wir, einer von ganz unten aus der Mitte der Gesellschaft, der Bruder eines Dorfbürgermeisters hätte es im Schweinsgalopp fast ganz bis nach oben geschafft. Der Harry-Igel hätte beinahe den Heide-Hasen geschlagen, und die Folgen wären unabsehbar gewesen. Harry – plötzlich ein Markenzeichen des Erfolgs. Der neue Harry-Trend: Es muss nicht immer nur Brioni sein. Ein klares aufrichtiges Gesicht ist mehr wert als die fiesen Tricks des städtischen, höfischen Gesocks. Einfalt zählt mehr als die glatten PR-Finten in Berlin. So hätte sich Graf Gerhards Berliner Schlossfestung knacken lassen, aus Richtung Norden immer geradeaus. Bauernvolk wie Peter Harry hat übrigens in England einst die Demokratie erfunden. Man soll die Kraft der Mistforke nicht unterschätzen. Der Harry-Trend, das wäre der Sieg des Landes gegen die Stadt gewesen. Angela hätte ihren Kanzlerwahlkampf nun als große Klare aus dem Osten führen müssen. Mit echtem Stallgeruch. Und auch für Nordrhein-Westfalen hätte Peter Harry alles klargemacht und die Weichen auf Sieg gestellt. Dort hätte der Harry-Trend bestimmt den anderen großen Volkstümlichen der CDU nach oben gespült – diesen anderen ungeheuer vertrauenerweckenden, ungeschlachten Alles-Niedergrinser, an den jede Kuh im Stall, jede Mamsell in der Küche sofort ihr Herz verliert und dem jede Möwe fröhlich hinterherjuchzt. Jürgen Rüttgers. Jürgen Rüttgers? Na ja. Schade. Wie gesagt: beinahe.