Dienstag früh um fünf Minuten vor sechs (Ortszeit) schüttelte sich die Erde im Südwesten Irans, elf grausige Sekunden lang. Das Erdbeben hatte die Stärke 6,4 und war damit heftiger noch als dasjenige von Bam, das im Dezember 2003 mehr als 30000 Menschenleben forderte. Diesmal werden es deutlich weniger sein, weil die Region spärlicher besiedelt ist. Aber die Bilder, die uns erreichen, sind nicht minder fürchterlich.

Was für ein gebeuteltes Land! Vom geologischen Geschehen wird es heimgesucht wie kein anderes. Den heutigen Generationen wurde überdies nichts erspart, was Menschen einander antun – vom achtjährigen Krieg, den Saddam Hussein mit Feuer und Giftgas in das Land brannte (und den Chomeini aus machtpolitischen Gründen in die Länge zog), bis zum Terror der Folterer, erst derjenigen des Schahs – und dann des Revolutionsregimes. Nicht zu vergessen die skandalöse Armut in diesem mit kulturellen und Energieressourcen gesegneten Land. Das Beben vom Dienstag tötete vor allem die Armen, deren billige Baukonstruktionen aus brüchigem Lehm und schwerem Beton wahre Todesfallen sind.

Nun rollt Hilfe an. Aber wohin? Der Staat ist korrupt und oft dermaßen unfähig, dass in diesem Land der Gerüchte dahinter schnell Absicht vermutet wird. Nun ist zu hören, die Behörden hätten aus der Katastrophe von Bam gelernt und reagierten zügig. Ob das stimmt? Sollten sich die Menschen auch diesmal allein gelassen fühlen, dann würde dies die ohnehin große Entfremdung zwischen der Bevölkerung und dem Staat weiter vergrößern.