Keine fünf Minuten nachdem die Sitzung des Rechtsausschusses der Vereinten Nationen am vergangenen Freitag beendet war, rauschte Jubel durchs Internet. "Sieg!", frohlockten katholische Lobbyisten, "UN verbieten alle Formen des Klonens!" – wovon freilich keine Rede sein kann.

Stattdessen ist etwas anderes geschehen: Beinahe vier Jahre lang hatten die Diplomaten miteinander gehakelt, um eine Konvention über das Klonen menschlicher Embryonen zustande zu bringen. Zwar befürwortete in den Diskussionen niemand das reproduktive Klonen, das lebensfähige Individuen zum Ziel hat – hier stimmten die Meinungen überein. Aber die UN-Mitglieder konnten sich nicht darauf einigen, das so genannte therapeutische oder Forschungsklonen zu verbieten, mit dem Embryonen zu dem Zweck hergestellt werden, ihnen Stammzellen zu entnehmen.

Eine von den USA und Costa Rica geführte Fraktion vorwiegend katholischer Länder wollte auch dieses Klonen kriminalisieren. Dagegen zielte eine von Belgien und Singapur geführte Riege auf das Verbot lediglich des reproduktiven Klonens. Nur gemeinsam hätten beide Gruppen genug Stimmen für eine Konvention zusammenbekommen. Jetzt gibt es stattdessen eine rechtlich unverbindliche Resolution, die noch einmal in der UN-Vollversammlung durchgewunken werden muss. Sie fordert die Staaten auf, alle Formen des Klonens zu verbieten, die der menschlichen Würde und dem Schutz des menschlichen Lebens zuwiderlaufen – Begriffe, unter denen von Kultur zu Kultur (und innerhalb der Kulturen) recht Unterschiedliches verstanden wird.

Für den Text stimmten 71 Staaten, 35 dagegen, und 43 der 191 UN-Mitglieder enthielten sich der Stimme. Der deutsche Vertreter hatte für die Resolution votiert, ließ aber anschließend ins Protokoll schreiben: Ein Tag der Freude sei das nicht, denn ohne Konsens bestehe die Gefahr, dass im Klongeschäft weiterhin Anarchie herrsche. Ein geschickter Diplomat; einerseits bietet er Kritikern aus dem Bundestag keine Angriffsfläche, andererseits beruhigt er die Bundesregierung, die vor den Bioforschern nicht als Bremserin dastehen will und erneut eine Lockerung des Embryonenschutzes ins Gespräch bringen dürfte, wenn das Forschungsklonen medizinischen Fortschritt versprechen sollte.

Zwar ist die Rechtslage in Deutschland klar: Der Embryonenschutz verbietet jede Form des Klonens. Doch weder das Verfassungsrecht noch die politische Großwetterlage noch die Meinung der Wahlbürger machen die Vorstellung plausibel, die derzeit gültigen Normen seien das letzte Wort. Die meisten Deutschen sind, Umfragen zufolge, biopolitisch indifferent. Das gilt übrigens auch für die Bevölkerung der Vereinigten Staaten; die Biopolitik der Regierung Bush kann sich nicht auf eine Mehrheit, ja nicht einmal auf eine große Bevölkerungsgruppe stützen. Die Indifferenz herrscht sogar weltweit vor – insofern passt die Resolution zur Lage. Gero von Randow