Das Vertriebsmuster für die Drogenbeschaffung hat sich verändert. Den direkten Kontakt zwischen Käufer und Kunde gibt es kaum noch. Stattdessen dienen illegale Apotheken im Internet als riesige Plattform für den Handel verbotener Mittel. Das geht aus dem jährlichen Bericht des International Narcotics Control Board (INCB) hervor. "Milliarden von Einheiten überwachter Substanzen" heißt es im Report, werden im Internet ohne Lizenz veräußert. "Zu 90 Prozent werden hier die Medikamente ohne Rezept verkauft", so INCB-Präsident Hamid Ghodse.

Zu den illegal gehandelten Substanzen zählen vorwiegend morphinhaltige Schmerzmittel und stimulierende Substanzen. Daneben werden Vitaminpräparate, Potenz- oder Nahrungsergänzungsmittel angeboten, die im Vergleich zu psychoaktiven Suchtstoffen relativ ungefährlich sind. Gefährlich daran ist allerdings, "dass für den durchschnittlichen Konsumenten die Grenzen zwischen legalen und illegalen Stoffen verwischt werden", sagt Ratsmitglied Rainer Schmid. Ebenso sei es schwierig für die Behörden, auf den Postweg zugestellte Drogen zu kontrollieren.

Besonders in den Vereinigten Staaten werden dem Bericht nach von 8,2 Prozent der Bevölkerung verbotene Medikamente eingenommen; allen voran bewusstseinsverändernde Amphetamine. Der Suchtkontrollrat ruft nun die einzelnen Länder dazu auf, per Gesetz vehementer gegen die illegalen Online-Apotheken vorzugehen. Besorgnis bereiten die Rekordernten von Opium in Afghanistan, wo derzeit drei Viertel der weltweiten Heroinproduktion abgedeckt werden. Außerdem gilt das Land als größter Lieferant für Cannabisharz, das in Europa weiterhin am häufigsten konsumiert Rauschmittel: 28,8 Millionen Konsumenten habe es vergangenes Jahr gegeben. Der Kokain-Verbrauch sei in Westeuropa mit 200 Tonnen, die jährlich geschmuggelt werden, ziemlich konstant geblieben, während er in Osteuropa weiter ansteige.

Dort, insbesondere in Russland, sei auch der Heroinkonsum durch die reichhaltigen Opium-Ernten angestiegen, während er in Westeuropa stagniere oder leicht zurückgehe. Besonders in vielen Ländern Afrikas ruft er Besorgnis hervor, da dort ein drastischer Anstieg intravenös konsumierter Drogen registriert wurde. Damit einhergehend wird die Ausweitung von HIV und Aids befürchtet. Die UN warnen vor Drogenhandel übers Internet. Laut BBC ruft der INCB zur Zusammenarbeit von Regierungen, internationalen Organisationen und der Pharmaindustrie auf, um den boomenden illegalen Online-Handel in den Griff zu bekommen.