amerika Kultur der AngstSeite 3/3

Nur selbstzufriedene Demagogen wie Michael Moore und seine allzu vielen europäischen Bewunderer bestreiten, dass solche Ängste realistisch sind. Aber wo genau verläuft die Grenze zwischen begründeter Furcht und hellem Wahn?

Wie und bis zu welchem Grad kann sich eine Gesellschaft gegen eine allgegenwärtige und diffuse Drohung absichern, ohne das Leben zu einer bloßen Sicherheitsveranstaltung zu pervertieren? Wer die Antwort auf diese Frage den Sicherheitsbeamten überlässt, hat schon verloren. Die Bush-Administration, die – unter Berufung auf ihre evangelikale Klientel – eine Kultur des »Lebens« (gegen die Abtreibung) vertritt, macht ihr Geschäft mit der Angst vor dem Megatod. Das messianische Versprechen auf einen Endsieg im Kampf gegen den Terrorismus führt zu einer Kultur der Angst – ein Wort, das in den USA bisher als unübersetzbar galt. Die Abwehrmaßnahme gegen die Gefahr wird zu einem Beweis für die Gefahr. Aus dem Land der Pioniere, Eroberer und Abenteurer scheint eine Gesellschaft von Versicherern und Anwälten zu werden. Wer sich nicht vorsieht, verdächtige Vorkommnisse nicht meldet und sich nicht versichert, ist selbst schuld. Eine merkwürdige Umkehrung der historischen Stärken und Schwächen der amerikanischen Lebenskultur scheint sich zu vollziehen. Die Doktrin vom präventiven Krieg ist dabei, sich im Inland in ein Rezept für ein präventives Leben zu verwandeln.

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Peter Schneider lebt als Schriftsteller in Berlin. Sein neuer Roman »Skylla« erscheint im März 2005 bei Rowohlt, Berlin

 
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