Gerhard Schröder und Jacques Chirac hatten eine schöne Idee. Ein Teil der Entwicklungshilfe soll künftig durch eine EU-Steuer auf Flugbenzin finanziert werden. Nur so sei das Versprechen der reichen Länder einzulösen, 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für die Armen der Welt bereitzustellen.

Einspruch, sagt jetzt der französische EU-Transportkommissar Jacques Barrot, ein Chirac-Vertrauter. Denn erstens sei der Luftsektor in Europa mitten im Umbruch, zweitens bedeute die Steuer einen Wettbewerbsnachteil gegenüber US-Gesellschaften, und drittens müsse der Kerosinverbrauch aus Umweltschutzgründen schrittweise verringert werden.

Barrot hat zudem mit dem Plan einer Euro-Vignette für Autos keine guten Erfahrungen gemacht. Damit soll der Ausbau europäischer Verkehrsnetze finanziert werden - doch mancher EU-Minister will so lieber Haushaltslöcher stopfen. Immerhin, Barrot verspricht bis zum Sommer eine Studie zur Kerosinsteuer. Die käme dann in letzter Minute. Im September steht die Entwicklungshilfe auf der Tagesordnung einer UN-Konferenz. Einige EU-Länder werden da einen Offenbarungseid leisten müssen: Wir versprachen, was wir nicht halten können.