Der Businessplan: eine Kindergartenkette mit 70 Filialen in ganz Deutschland, für Kinder bis 12 Jahre. Geöffnet von früh bis spät, mit pädagogisch hoch qualifizierten Betreuern. "Als wir das Konzept vorstellten, rannten uns die Eltern die Bude ein", sagt Oliver Puhl.

Kinderbetreuung als Geschäftsidee? Gar nicht so abwegig. Schließlich geht es dabei um eine Dienstleistung, dachten sich Puhl und seine beiden Partner, alle drei frisch gebackene Absolventen der Wirtschaftshochschule St. Gallen. Sie rechneten Gebühren und Gebäudekosten durch, interviewten Eltern und Erzieherinnen, entwarfen Anreizmodelle und Konzepte. Das Ergebnis: Wenn es gelänge, 70 Filialen innerhalb von fünf Jahren in Deutschland zu eröffnen, würde es sich rentieren.

Das Konzept wurde nie umgesetzt. Vorschriften und Auflagen blockierten den Aufbau der Kindergartenkette. Wie sollte man da innerhalb von fünf Jahren alle Filialen zum Laufen bringen? Puhl und seine Mitstreiter gaben auf. Heute leitet Puhl die deutsche Immobilienabteilung der Investmentbank Morgan Stanley. Und für die Familien hat sich nichts geändert.

Nach wie vor ist die Kinderbetreuung hierzulande fest in der Hand der Kommunen und Wohlfahrtsverbände. Als Unternehmen geführte Kindergärten muss man lange suchen.

Dabei ist die Nachfrage nach hochwertiger Betreuung groß, genauso wie nach Öffnungszeiten von morgens um halb sechs oder bis abends um halb neun, passend zur jeweiligen Arbeitszeit der Eltern. Öffentliche Kindergärten und Krippen müssen das nicht leisten. Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz gilt schon als erfüllt, wenn ein Kind vormittags vier Stunden lang betreut wird. Damit ist für die Eltern noch nicht einmal Teilzeitarbeit möglich.

Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums würden rund 1,5 Millionen Mütter von Kindern unter sechs Jahren gerne mehr arbeiten, finden aber keinen passenden Kindergartenplatz. Multipliziert man diese Zahl mit einem üblichen Betreuungssatz, ergibt sich ein milliardenschwerer Markt. Den niemand bedient.

Gert Wagner, Ökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, vermutet: Diese Nachfrage ist immer noch zu klein, um ein Angebot entstehen zu lassen. Für gewinnorientierte Kindergärten sieht er kaum eine Chance. "So etwas kommt doch nur für sehr gut verdienende Eltern infrage."

Wirklich? Auch die üblichen Kindergärten kosten viel Geld. In Hamburg zahlen Eltern mit einem Kind schon ab einem gemeinsamen Nettoeinkommen von 2863 Euro den monatlichen Höchstsatz von 307 Euro für täglich sechs Stunden. Da kostet ein Platz in der Kindergruppe von Katrin Lichtenfeld in Hamburg-Eppendorf kaum mehr: 330 Euro im Monat inklusive Vollwertessen, Turnstunde und Musikunterricht.