Jetzt ist alles wieder gut. Zwei Prozent für die NPD in Schleswig-Holstein, damit dürfte die aufgeregte Debatte der vergangenen Wochen über Rechtsextremismus und Parteiverbote beendet sein – was immerhin den Vorteil hat, dass die Provinznazis aus Sachsen wenigstens vorläufig wieder daran gehindert sind, die politische Agenda des Landes zu bestimmen. Der Bundesinnenminister, sogar dem politischen Alltagsgeschäft sonst eher entrückte Verfassungsrichter hielten den Zeitpunkt ja für günstig, eine neue Kampagne für das Verbot der NPD zu beginnen. Innenpolitiker des Bundestags forderten die Einführung neuer Meinungsdelikte und eine Verschärfung des Versammlungsrechts – bloß weil im Dresdener Landtag Rechtsradikale redeten, was Rechtsradikale eben so reden.

Ehe sich die öffentliche Aufmerksamkeit neuen Themen zuwendet, ist vielleicht noch Zeit, einem Experten Gehör zu verschaffen. Frage an Friedemann Bringt vom Mobilen Beratungsteam Dresden, das Anti-Nazi-Initiativen in Sachsen professionell unterstützt: Hat die Aufregung der vergangenen Wochen den Rechtsradikalen geschadet oder genützt?

"Genützt natürlich. Für die ist das Öffentlichkeit, die sie noch nicht einmal selbst organisieren müssen."

Ausweislich der Kriminalstatistik, wächst die alltägliche Gewalt in den neuen Ländern wieder, was in Sachsen aus Bringts Sicht auch daran liegt, dass die NPD nach dem Erfolg bei der Landtagswahl nicht länger Grund hat, die befreundeten Schläger-Kameradschaften im Zaum zu halten.

Was kann man dagegen tun?

"Prävention", sagt Bringt. "Jugendarbeit", sagt er, und dass derzeit überall im Osten den Anti-Nazi-Initiativen die Zuschüsse gekürzt würden. Man könnte das als Variante ostdeutschen Gejammers abtun, wäre die Lage nicht so ernst. Das Problem sind nicht die kalkulierten Provokationen im Landtag. In weiten Teilen der ostdeutschen Länder ist das Recht nicht durchsetzbar, schweben Ausländer und linksalternativ gesinnte Jugendliche permanent in Gefahr.

Kleine Chronologie der letzten Januarwoche (nur für Brandenburg):