Um zu vermeiden, dass die Regierung dem Wohle des Landes im Wege stehe, werde sie zurücktreten, sagte heute Nachmittag Libanons pro-syrischer Ministerpräsident Omar Karame vor dem Parlament in Beirut. Die Opposition rief ihre Anhänger auf, die Proteste trotz des Rücktritts fortzusetzen, bis alle syrischen Soldaten abgezogen seien.Die Stellungnahme zu Beginn einer Parlamentsdebatte zum tödlichen Attentat auf Ex-Regierungschef Rafik Hariri wurde von den Abgeordneten in Beirut mit stürmischem Applaus quittiert. Karame kam damit einem geplanten Misstrauensvotum der Opposition zuvor. Zehntausende Demonstranten auf dem nahegelegenen Märtyrer-Platz brachen nach der Verbreitung der Nachricht in Jubel aus und sangen die Nationalhymne.Die Demonstranten hatten sich aus Protest gegen die Präsenz syrischer Soldaten im Land im Zentrum der libanesischen Hauptstadt trotz eines Demonstrationsverbotes versammelt. Hunderte Nationalflaggen tauchten den Märtyrer-Platz im Zentrum der Hauptstadt in Weiß-Rot. Polizei und Soldaten beobachteten die Demonstranten, griffen aber nicht ein."Wir alle zusammen wollen einen souveränen und unabhängigen Libanon, den Abzug der syrischen Geheimdienste und vor allem die Wahrheit: Wer hat Rafik Hariri getötet?", rief Oppositionsführer Walid Dschumblatt den Demonstranten zu Beginn der über Lautsprecher auf den Platz übertragenen Parlamentsdebatte zu.Nach dem Attentat auf Hariri am 14. Februar, bei dem 17 weitere Menschen ums Leben kamen, hatte die libanesische Opposition Syrien des Anschlags beschuldigt und den sofortigen Abzug der rund 14.000 syrischen Soldaten aus dem Libanon gefordert. Damaskus bestreitet jede Verwicklung in das Attentat vehement.Mit dem Mord an Hariri habe Syrien nichts zu tun, weil es "politischer Selbstmord" wäre, sagte Syriens Staatschef Baschar el Assad der italienischen Zeitung "La Repubblica". Zugleich griff Assad die USA an. Die Drohungen gegen Syrien erinnerten sehr an die Rhetorik Washingtons vor dem Beginn des Irak-Kriegs im März 2003.Mit afp