Auch die Franzosen tun sich mit nationalen Symbolen nicht leicht. Als junge Stadionbesucher die Marseillaise beim Länderspiel Frankreich - Algerien in Paris 2003 auspfiffen, erließ der Justizminister für die Verunglimpfung der Nationalhymne eine Geldstrafe von 7500 Euro. Um die Jugend fortan möglichst früh mit der Hymne vertraut zu machen, hat die konservative Regierung die Marseillaise jetzt per Parlamentsbeschluss auf den Lehrplan französischer Grundschulen gesetzt. Ähnliche Vorstöße waren immer wieder daran gescheitert, dass Gegner das Stück als fremdenfeindliches Kriegslied schmähten. In der Tat war es 1792 als Schlachtgesang der französischen Rhein-Armee gegen die Deutschösterreicher entstanden und erst 1795 zur Nationalhymne erklärt worden. Kaiserreich und Restauration hatten das Lied sogar verboten. Jetzt ist der reine Kindermund die große Hoffnung: Je mehr die Hymne in Schulen erschallt, desto mehr hofft die Republik auf die Befriedung ihrer Zweifler und Störer.