Zweimal hat am Wochenende die Linke auf der Iberischen Halbinsel gejubelt, wenngleich sehr unterschiedlich. Zu Recht aus ganzem Herzen in Portugal: Dort erreichten die oppositionellen Sozialisten zum ersten Mal die absolute Mehrheit im Parlament. Und mit Mühe, sozusagen halbherzig, in Spanien: Da war den regierenden Sozialisten im Referendum über die EU-Verfassung - dem ersten innerhalb der Union - die insgeheim befürchtete Blamage einer Wahlbeteiligung von weniger als 40 Prozent erspart geblieben - 43 Prozent der Wahlberechtigten hatten teilgenommen (und zu 77 Prozent mit ja gestimmt).

Der Linksruck im Krisenland Portugal war erwartet worden, überrascht hat aber sein Ausmaß. Der bis vor wenigen Monaten noch kaum bekannte Dritte-Weg-Sozialist José Sócrates, 47, staunte selber darüber. Zugelegt haben außerdem zwei kleine Linksparteien.

Verlierer sind die liberal-konservativen Sozialdemokraten unter Pedro Santana Lopes, einem politischen Leichtgewicht und Karrieristen, und die rechtspopulistische CDS/PP unter Paulo Portas, der vor drei Jahren in der europäischen Welle von Wahlerfolgen rechter Kleinparteien überraschend zum Koalitionspartner emporgekommen war. Mitverlierer ist aber auch der EU-Kommissions-Präsident José Barroso. Als damaliger Ministerpräsident hatte er bei seinem eiligen Wechsel nach Brüssel das Land in einem traurigen Zustand hinterlassen, in dem jeder Nachfolger weniger Erfolgsaussichten gehabt hätte. Der Wahlsieger Sócrates kündigte ein Sanierungsprogramm an, Modell Agenda 2010. Damit könnten die Chancen der Verlierer wieder steigen.