Das schleswig-holsteinische Hick-Hack hat ein Ende: Die SPD wird voraussichtlich mit den Grünen eine durch den Südschleswigschen Wählerverband SSW unterstützte Minderheitsregierung stellen. Die Koalitionsverhandlungen sollen nach den Beschlüssen der SPD-Landtagsfraktion und des Landesvorstandes heute beginnen. Die Sondierungsgespräche mit der CDU über eine große Koalition erklärte gestern die SPD-Spitze für gescheitert.Mit der Konzession, Gemeinschaftsschulen einzurichten, war die CDU der SPD ein großes Stück entgegen getreten. Noch im Wahlkampf hatte sie mit einer Unterschriftenaktion gegen das Bildungsmodell, das von Rot-Grün und dem SSW gefordert wurde, protestiert. Doch eine große Koalition wäre nur mit einem Ministerpräsidenten Carstensen zu haben gewesen - und da stellte sich die SPD quer: Nach nur einer halben Stunde wurden die Sondierungsgespräche für eine große Koalition abgebrochen. Ministerpräsidentin Heide Simonis wollte an ihrem Amt festhalten, obwohl die SPD weniger Stimmen als die CDU erhielt. Dieser Wunsch wird von großen Teilen der Landes-SPD geteilt, gilt das Zugpferd Simonis doch als Hauptgrund für das Ausbleiben einer Wahlkatastrophe für die SPD. Einen Mann hat sie dafür opfern müssen: Der bisherige Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Bernd Rohwer, gab gestern seine Ausscheidung bekannt. Er war wiederholt mit den Grünen wegen Verkehrsvorhaben aneinander geraten und galt als Anhänger einer großen Koalition.Der Kampf um den Machterhalt beziehungsweise die Machterlangung warf kein gutes Licht auf die großen Parteien. Es war abzusehen, dass sich die Bundesebene von SPD und Union in die Kieler Gespräche einmischen würde, schließlich wird jede Wahl als Prognose-Instrument für die nächste größere, in diesem Fall die nordrhein-westfälische in drei Monaten, betrachtet. Ein bundespolitischer Trend wird immer antizipiert, auch wenn in Schleswig-Holstein beispielsweise zwei Drittel der Wähler angaben, ihre Wahlentscheidung von landespolitischen Kriterien abhängig gemacht zu haben. So mischten sie sich ein, Schröder, Merkel, Koch und viele andere, den Vorwärtstrend der eigenen Partei heraufbeschwörend in mitunter schrillen Tonlagen.Gerade die CDU begab sich auf das gefährlich dünne Eis, die Legitimität des als Minderheitspartei von der Fünfprozent-Hürde befreiten SSW in Frage zu stellen. Auch der Vorwurf, mit einer Minderheitsregierung den Bevölkerungswunsch nach einem Machtwechsel zu untergraben, ist unangebracht. Einerseits ist diese Wählerabsicht in dem sehr ausgeglichenen Wahlergebnis nicht eindeutig zu erkennen, und andererseits sollte man im medialen Glashaus sitzend, die Steine in der Hand behalten: Es war die CDU, die in Hamburg mit dem zweifelhaften Ronald Schill eine Minderheitsregierung bildete. Doch auch die selbstverständliche Umklammerung des Landesthrons von Heide Simonis ist kein schönes Bild für die Wähler, die mehrheitlich für Carstensens Partei gestimmt haben - und bestimmt keine gute Ausgangssituation für eine knappe Regierungsmehrheit.Adrian Pohr