Seit zwei Wochen bangen wir mit Ihnen um das Schicksal von Giuliana Sgrena. Wir teilen Ihre Sorgen und Ihre Angst. Aber wir teilen auch Ihre Hoffnung, dass Giuliana bald wieder frei sein wird und zu Ihnen zurückkehren kann.

Für uns, die Journalisten und alle Mitarbeiter der ZEIT, ist Giuliana eine bewunderte Kollegin und für manche von uns eine gute Freundin. Deshalb hieß vorige Woche die Schlagzeile auf Seite eins der ZEIT genauso wie zuvor die Schlagzeile von Il Manifesto: Eine von uns!

Wir bangen auch mit den Kollegen und Freunden von Libération um Florence Aubenas. Seit über vierzig Tagen ist sie in der Gewalt ihrer Entführer. "Vierzig Tage sind eine lange Zeit", hat ihr Vater bei einem Solidaritätskonzert in Paris gesagt. "Eine sehr lange Zeit. Eine viel zu lange Zeit!"

Uns haben viele Zeichen des Mitgefühls und der Solidarität erreicht. Auch die anderen Zeitungen in Deutschland, Fernsehen, Radio und Internet berichten seit vierzehn Tagen über die Entführung von Giuliana.

Ich darf Ihnen versichern: Die Anteilnahme in Deutschland am Schicksal von Giuliana ist groß. Wir alle warten darauf, dass sie so schnell wie möglich freigelassen wird.

Seit drei Jahren schreibt Giuliana für die ZEIT. Wir haben immer ihren Mut bewundert. Sie hat sich in Gefahr begeben, weil sie nahe bei den Menschen sein wollte, über die sie geschrieben hat.

Giuliana ist eine Reporterin, die den Opfern eine Stimme gibt. Opfer, von denen wir nur hören, weil es Journalisten wie Giuliana gibt. Sie hat den Krieg im Irak miterlebt und für die ZEIT ein bewegendes Kriegs-Tagebuch geschrieben. Für ihren Mut, aber auch für ihr Engagement sind wir ihr von Herzen dankbar.

Giuliana war gegen diesen Krieg. Als Pazifistin ist sie gegen jeden Krieg. Aber in erster Linie ist sie eine Journalistin, deren Motto heißt: "Hingehen und Hinsehen. Nichts glauben, was man nicht selbst gesehen hat."