Auf Zypern sind sich die Veteranen wieder einmal einig. Rauf Denktas und Tassos Papadopoulos sind ob des Wahlausgangs in der nur von Ankara anerkannten Türkischen Republik Nordzypern nicht erfreut. Den Türkenführer und den griechisch-zyprischen Präsidenten vereint die Absicht, sich bloß nicht zu einigen. Im Norden hat sich jedoch am Sonntag mit 44,5 Prozent der Stimmen die auf Ausgleich und Kompromiss orientierte Partei von Ministerpräsident Mehmet Ali Talat durchgesetzt. Seiner Politik war es maßgeblich zu verdanken, dass sich im April vorigen Jahres 65 Prozent der Türken für den UN-Plan zur Wiedervereinigung der Insel ausgesprochen hatten.

Die Griechen hatten, agitiert von Papadopoulos, den Plan zu 75 Prozent abgelehnt. Das neue Votum für Talat, dessen Partei um fast zehn Prozent zulegen konnte, zeigt, dass die Inseltürken ihren Platz weiterhin in einem gemeinsamen Staat und in Europa sehen.

So viel Offenheit gegenüber dem griechischen Erbfeind auf der Insel macht Rauf Denktas, der seit 30 Jahren als Staatspräsident an der Spitze der türkischen Verwaltung steht, Sorgen. Er sieht die Unabhängigkeit des türkischen Zwergstaats gefährdet.

Der Veteran wettert deshalb gegen Europa, aber auch gegen die USA. Am 14.

Februar, nur eine Woche vor der Wahl, hatte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso Talat empfangen und damit gezeigt, wo die Sympathien Brüssels liegen. Und nur zwei Tage vor der Abstimmung, am Freitag, landete eine Delegation von US-Geschäftsleuten auf dem nordzyprischen Flughafen Ercan (Tymbou) und wurde dort von US-Botschafter Michael Klosson begrüßt. Eine frappante Einmischung in die Wahlen, schimpft Denktas.

Sein Lieblingsgegner, Tassos Papadopoulos, hat exakt dieselben Feinde: Vorschläge der Brüsseler Kommission, das Wirtschaftsembargo zu lockern, sind für Papadopoulos nur erste Schritte zur Anerkennung des Pseudostaats. Und sein Parteigenosse Andreas Angelides fordert allen Ernstes, wegen illegaler Einreise Haftbefehle gegen die Mitglieder der US-Delegation auszustellen.

Wahlsieger Talat glaubt, dass Papadopoulos noch immer auf eine ethnisch reine griechische Staatsverwaltung hinarbeitet, ganz so wie Denktas an seinem griechenfreien türkischen Staatswesen hängt.