Eine Zigarette besteht aus einem knappen Gramm Tabak und einer ganzen Tonne politischem Sprengstoff. Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet sie als "größten Mörder überhaupt", doch für den Finanzminister sind Zigaretten ein gutes Geschäft.

Längst hängt der Staat an der Tabaksteuer wie manch ein Konsument an seiner Camel Filters. Etwa 750 Euro zahlt ein durchschnittlicher Raucher pro Jahr in die Steuerkasse. So nahm Hans Eichel im vergangenen Jahr 13,8 Milliarden Euro ein; damit könnte er problemlos den Bundesetat für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur bestreiten.

Und trotzdem war der Finanzminister enttäuscht. Er hatte mit viel mehr Geld gerechnet.

Erst im März vergangenen Jahres hatte die Bundesregierung die Tabaksteuer angehoben, im Dezember dann noch einmal. Doch statt einfach weiterzurauchen wie gewohnt, hielten sich die Deutschen zurück. Mit knapp 112 Milliarden Zigaretten kauften sie fast 16 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Aber ist das nun schlecht, weil der Staatskasse Geld entgeht? Oder gut, weil anscheinend weniger geraucht wird?

Nirgendwo sonst sind politische und wirtschaftliche Interessen so eng miteinander verwoben wie beim Geschäft mit der Zigarette. "Jeder Staat will, dass die Leute weniger rauchen, und jeder Staat will die Einnahmen aus der Tabaksteuer. Damit sind wir einverstanden, aber als Unternehmen möchten wir natürlich auch Geld verdienen", sagt Hermann Waldemer, Präsident für Westeuropa beim Zigarettenkonzern Philip Morris International. "Wir sollten also Strategien entwickeln, die beiden Seiten entgegenkommen."

Aber wie? Für die Industrie wird die Zeit knapp. Nicht nur, dass die doppelte Anhebung der Tabaksteuer das Zigarettengeschäft stark beschädigt hat. Immer weitergehende Rauchverbote verbannen Marlboro, Lucky Strike, West und Co aus Gaststätten und öffentlichen Gebäuden. Im Sommer droht das gesetzliche Werbeverbot. Und Anfang September steht die nächste Erhöhung der Tabaksteuer bevor. Sie ist bereits beschlossen und wird jede Schachtel Zigaretten noch einmal um rund 25 Cent verteuern. "Ich hoffe, die Bundesregierung sieht ein, dass die Steuererhöhung zu weit geht", sagt Mark Cobben, Vorstandschef von British American Tobacco (BAT) in Deutschland. "Eine Aussetzung wäre sehr wünschenswert."