Der Geist, der stets verneintSeite 9/12
ZEIT: Herr Schmidt, kommen wir zu Ihnen zurück. Nach Ihrem Wiedereinstieg in die Late Night gab es Gegenwind von manchen Kritikern. Eine ungewohnte Situation für Sie, sind Sie doch in den letzten Jahren von den Feuilletons geradezu vergöttert worden. Der Spiegel meckerte, die FAZ wünschte sich sogar Anke Engelke zurück.
Schmidt: Ich habe zunächst nicht damit gerechnet, aber mittlerweile bin ich ein bisschen gekränkt, dass es so still geworden ist. Ich hatte mich auf einen Fight eingestellt, ich dachte, das wird noch härter, ich gerate ins Schwitzen. Aber selbst beim Spiegel haben sie sich wohl gedacht, wir brauchen ihn doch noch, haut mal nicht gleich so brutal drauf. Also habe ich die Mails mit den vielen Anfragen aus der Spiegel- Redaktion, die mich über meine Agentin im vergangenen Jahr erreicht haben, erst mal im Giftschrank gelassen – und auch die Mails der untereinander verfeindeten Ressorts, ob denn nun der eine Artikel, den man »leider nicht verhindern konnte«, bedeute, dass ich gar nicht mehr mit dem Spiegel rede. Aber: Ich bin ein Fan von Journalisten, die Kritik ist im Preis insbegriffen. Und ich habe wirklich gehofft, dass die FAZ noch intensiver durchdreht.
ZEIT: Dabei haben Sie auch so einigen Ärger, nach der Einstellung Ihrer alten Late Night Show mit ehemaligen Angestellten – und noch immer mit einem, der jetzt vor Gericht gezogen ist.
Schmidt: Als ich in die Kreativpause gegangen bin, haben mir Freunde und enge Mitarbeiter, wie es immer so schön heißt, über kleinere Zeitungen mitgeteilt, das Schlimmste wäre, sie hätten vom Ende erst fünf Minuten vor der Öffentlichkeit erfahren. Ich habe dann darauf verzichtet, ihnen mitzuteilen, dass man daran sieht: Der Humanismus hat hier noch eine zarte Pflanze. Normalerweise erfährt man das in unserer Branche aus der Presse.
ZEIT: Wer hat die Entlassungsgespräche bei Ihnen geführt?
Schmidt: Ich nicht, wissen Sie, wir haben gar nicht viele Leute entlassen. Ich habe mir selbst eine Zeit lang gefallen in der Rolle des Pol-Potchens des Medienbetriebs. Dann habe ich festgestellt, dass hier unfassbar viele Leute auch im Pausenjahr Geld bekommen haben. Es waren vielleicht acht oder zehn, die wir wirklich entlassen mussten, und die sind gleich auf die andere Seite der Straße zu Anke Engelke gewechselt. Und einige kamen jetzt auch wieder zu mir zurück.
ZEIT: Sie betrachten den Medienbetrieb nicht gerade mit einer rosa Brille.
- Datum 24.02.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 24.02.2005 Nr.9
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