Nur wenige Wochen nachdem die deutschen Lebensversicherer so viel Policen wie nie zuvor unters Volk gebracht haben, stellen sie eines ihrer wichtigsten Verkaufsargumente infrage - die so genannte Garantieverzinsung. Klaus Schareck, der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, fordert einen Adjustierungsmechanismus, um bei lang laufenden Verträgen die zugesicherte Mindestrendite kürzen zu können.

Dahinter verbergen sich Probleme der Branche, die unter sinkenden Kapitalmarktzinsen einerseits und steigender Lebenserwartung der Versicherten andererseits leidet.

Als einfaches Notventil, das den Versicherern Luft verschafft, ohne das Geschäftsmodell verändern zu müssen bezeichnet Marco Metzler, Versicherungsexperte der Ratingagentur Fitch, den Vorschlag. Indiskutabel, entgegnet Lilo Blunck, Geschäftsführerin des Bundes der Versicherten. Kein Versicherungsunternehmen sei gezwungen, eine Zinsgarantie abzugeben, sagt Blunck. Doch mit den Garantien verkauften sich die Produkte besser. Außerdem gelte die Garantie sowieso nur für den Sparanteil der eingezahlten Summe. Wie hoch der liege, sei nach wie vor das am besten gehütete Geheimnis der Unternehmen, so Bluck. Die Debatte diene nur dazu, das Marketinginstrument Garantie zu erhalten und gleichzeitig dem Gesetzgeber, der die nachträgliche Verringerung der Garantie erlauben müsste, die Rolle des bösen Buben zuzuschieben.

Gegenwärtig beträgt der maximal erlaubte Garantiezins 2,75 Prozent, der durchschnittliche Garantiezins liegt wegen vieler Altverträge noch bei rund 3,5 Prozent. Dass selbst diese niedrigen Sätze der Branche Kopfschmerzen bereiten, verrät viel über die angebliche Überlegenheit der privaten Altersvorsorge gegenüber dem gesetzlichen Umlageverfahren.