Warum die Infrastruktur nach Übersee verkaufen und zurückleasen, wenn das Kapital vor der Rathaustür liegt? Viele Kommunalverwaltungen haben offenbar den Reiz des Cross-Border-Leasings überschätzt und die Investitionsbereitschaft ihrer eigenen Einwohner unterschätzt. Dass Bürgerengagement auch in finanzieller Hinsicht funktionieren kann, zeigen einige Beispiele ideenreicher Infrastrukturfinanzierung.

So legten im Oktober vergangenen Jahres die Stadtwerke Schwäbisch Hall eine Solarfonds-Anleihe auf, um eine Fotovoltaik-Anlage zu finanzieren. Obwohl nur Kunden der Stadtwerke die Anleihe erwerben konnten, wurde der kommunale Versorger innerhalb von nur acht Wochen mit Geld überschwemmt. Statt der erwarteten 2,5 Millionen Euro haben unsere Kunden mehr als vier Millionen Euro gezeichnet, meldeten die Stadtwerke. Damit konnte die mittlerweile in Betrieb genommene Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach des Werkhofs mit einer Maximalleistung von 150 Kilowatt finanziert werden. Weitere Anlagen sollen nun folgen.

Im schleswig-holsteinischen Dorf Ellerhoop kauften die Einwohner im Juli 2003 kurzerhand das Wasserwerk. Nachdem die Gemeinde den Erhalt der eigenen Trinkwasserversorgung nicht mehr finanzieren konnte, war zunächst der Verkauf an einen überregionalen Wasserversorger geplant. Doch die Dorfbewohner wollten unabhängig bleiben und beschlossen, den Betrieb der eigenen Brunnen selbst in die Hand zu nehmen. Schon bei der Gründung der Wasser-Genossenschaft Ellerhoop zeichneten 45 Mitglieder der ersten Stunde einen Anteil von jeweils 500 Euro, inzwischen sind gut 70 Genossen dabei.

Zwar musste die Genossenschaft zunächst die Wasserpreise anheben, um die Investitionen zu finanzieren. Damit haben die Ellerhooper kurzfristig keinen finanziellen Vorteil im Vergleich zum Verkauf des Wasserwerks an einen Konzern. Doch die Kontrolle des kleinen Unternehmens erfolgt durch die Teilhaber am Ort, die wiederum gleichzeitig die Kundschaft verkörpern - und damit sind die Eigentümer sowohl an solider Finanzierung wie auch langfristig an moderaten Preisen interessiert. Das Selbstverwaltungsprinzip und die demokratische Mitbestimmung gewährleisten eine angemessene Berücksichtigung örtlicher Belange, lobt Professor Gunnar Folke Schuppert vom Wissenschaftszentrum Berlin solche genossenschaftliche Privatisierungsmodelle in der Zeitschrift des Genossenschaftsverbands Norddeutschland. Diese Art der Selbstversorgung ist im Übrigen nicht neu: So gibt es die gut 670 Teilhaber zählende Wasserversorgungs-Genossenschaft Schmitzhöhe im Bergischen Land schon seit 1925.

Ein kommunales Finanzierungsmodell der besonderen Art gibt es in der kleinen Schwarzwaldgemeinde Reinerzau. Dort stehen den Einwohnern seit Mitte des 19.

Jahrhunderts 35 Hektar Stiftungswald aus ehemaligem Kirchenvermögen zur Verfügung. Mit den Erträgen aus der Waldbewirtschaftung werden laut Satzung nicht nur der Unterhalt des Kirchturms und das Messnergehalt mitfinanziert.

Auch für soziale Zwecke am Ort wie etwa die Mutter-Kind-Gruppe gibt es Stiftungszuschüsse - und für den Skilift, der am Ort betrieben wird und ohne die Unterstützung wohl deutlich mehr als drei Euro für die Kinder-Tageskarte verlangen würde.